BREMEN - Untreue in 57 Fällen mit einem Gesamtschaden von über 10,2 Millionen Euro sowie Bestechung in einem besonders schweren Fall: Das wirft die Anklage Andreas Lindner vor, dem ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführer des Klinikums Bremen-Ost (KBO). Der 40-Jährige muss sich seit Freitag vor der Großen Strafkammer VII des Landgerichts Bremen verantworten.

Seit 3. Januar sitzt der Diplom-Ökonom in Untersuchungshaft. Lindner hat sich intensiv auf den Prozess vorbereitet. Er servierte dem Richter Dr. Bernd Asbrock einen Vortrag zu den Anklagepunkten.

Staatsanwalt Dr. Jörn Hauschild benötigte 25 Minuten, um den Anklagesatz zu verlesen: Von April 2005 bis Juni 2006 soll Lindner das Klinikum um 10,2 Millionen Euro geprellt haben. Geschäftsvereinbarungen mit den Siekertal-Kliniken (Bad Oeynhausen) und der von diesen betriebenen Reha-Klinik in Rastede (Inhaber: Lindner) habe er vorgetäuscht und sich damit 1,1 Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet. Eine Beratungsfirma gehört ebenfalls Lindner und auch dieser habe er rund 900 000 Euro zugeschanzt. „Die Zahlungen basieren auf Scheinverträgen“, so die Anklage.

Bleibt noch der Vorwurf der Bestechung, der sich auf fast 87 500 Euro bezieht. Die soll Lindner an den ehemaligen Geschäftsführer der Klinik-Holding Gesundheit Nord, Wolfgang Tissen, gezahlt haben.

Lindner räumte Aufträge und Zahlungen ein, auch dass er Gutachten an seine Firmen vergeben hat. Er will das getan haben, um das KBO aus der Krise zu führen. Andreas Lindner droht ein weiteres Verfahren – wegen Insolvenzverschleppung und Kreditbetrugs.