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Aktualisiert vor 11 Minuten.

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NWZonline.de Region Bremen

Der Flug steht noch in den Sternen

19.04.2018

Bremen Wenn „Astro_Alex“ wieder ins All fliegt, werden ihm neben vielen Raumfahrtfans auch „astro_insa“ und „astrosuzanna“ auf Twitter folgen. Wie der Astronaut Alexander Gerst wollen auch die Meteorologin Insa Thiele-Eich und die Astrophysikerin Suzanna Randall zur Internationalen Raumstation ISS – und zwar als erste deutsche Frau.

Das ist das Ziel der privaten Initiative „Astronautin“. Ob das klappt, steht noch in den Sternen. Das Projekt bekommt viel Zuspruch aus Politik und Raumfahrtbranche, aber zu wenige Spenden. 2020 soll entweder Thiele-Eich oder Randall zu einer mehrtägigen Mission auf der ISS starten. Etwa 50 Millionen Euro sollen Ausbildung und Flug kosten. Der Großteil davon fehle noch, sagte die Bremer Raumfahrtmanagerin Claudia Kessler, die das Projekt gegründet hat.

Fast 69 000 Euro hat sie über Crowdfunding im Internet eingesammelt. Doch diese Summe ist aufgebraucht. Kessler will mit dem Projekt mehr Frauen und Mädchen für Technik und Naturwissenschaften begeistern. „Was wir brauchen, sind Rollenvorbilder“, sagte sie.

Elf deutsche Männer waren bisher im Weltraum, aber noch nie eine Frau. Die Ausbildung der von der Europäischen Raumfahrtagentur ausgewählten Astronauten bezahlen die Steuerzahler in den Esa-Mitgliedstaaten. Im Jahr 2017 hatte die Raumfahrtagentur einen Gesamtetat von rund 5,75 Milliarden Euro, die größten Beitragszahler sind Deutschland (858 Millionen Euro) und Frankreich (856 Millionen Euro).

Auf die Auswahl der Esa will sich Kessler allein nicht verlassen. Bei der letzten hat es mit der Italienerin Samantha Cristoforetti nur eine Frau ins sechsköpfige europäische Astronautenteam geschafft. Unter den etwa 8000 Bewerbern seien 16 Prozent Frauen gewesen, sagte der frühere Astronaut Thomas Reiter. Genauso hoch sei der Anteil in der Esa-Auswahl.

Wer zu den Sternen reisen will, muss Natur- oder Ingenieurwissenschaften studiert haben oder Kampfpilot sein – alles Berufe, in denen es mehr Männer gibt. Trotzdem bewarben sich rund 400 Frauen bei der Initiative „Astronautin“. In der Jury saß die damalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), die das Projekt als „ganz großartig“ lobte. Finanziell beteiligt sich das Ministerium nicht. Unterstützung gebe es nur für das europäische Astronautenkorps, teilte eine Sprecherin mit.

Die Wahl fiel schließlich auf Thiele-Eich und die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann. Letztere stieg im Dezember überraschend aus. Randall rückte nach. Einen Rückschlag sieht Kessler darin nicht. Auch am Zeitplan will sie nicht rütteln. „Wir haben die Trainingspläne vorliegen und könnten jederzeit anfangen“, sagte sie. Langsam wird die Zeit knapp. Spätestens 18  Monate vor dem Abflug müsste die Ausbildung starten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fliegen, ist nicht sehr groß. Das liegt an dem hohen Preis für den Flug“, sagte der frühere Astronaut Ulrich Walter, der die Jury für die „Astronautin“ geleitet hat. Bis Anfang Oktober hat Kessler sich eine Frist gesetzt. Dann kommt die Branche auf dem weltweit größten Raumfahrtkongress in Bremen zusammen. Bis dahin soll feststehen, wie es weitergeht.

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