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NWZonline.de Region Bremen

Bremer Fußball-Roboter kicken sich zur WM

12.06.2018

Bremen Das Spielfeld misst gerade einmal neun mal sechs Meter, auf dem Platz sind zwei Teams mit je fünf Spielern, und die Partie dauert 30 Minuten inklusive zehn Minuten Halbzeitpause. Stürmer, Verteidiger und Torwart sind mit knapp 60 Zentimetern nicht besonders groß. Sehr fix sind sie auch nicht: Es sind humanoide Nao-Roboter auf zwei Beinen, die beim RoboCup 2018 vom 18. bis 22. Juni in Montreal gegeneinander antreten. Mehrere Teams aus Deutschland sind bei der WM der „Standard Platform League“ dabei, auch der sechsmalige Weltmeister aus Bremen, das Team „B-Human“.

„Wenn die Teams auf dem Feld sind, dann ist der Mensch raus“, sagt Thomas Röfer, einer der „Trainer“ des Bremer Teams. Der Informatiker beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen und sein Fachkollege Tim Laue von der Universität Bremen fliegen mit 15 Studenten nach Montreal. Nach dem Anpfiff könnten sie allerdings wenig tun. Dann sind die Spieler auf sich selbst gestellt. Sie kommunizieren über WLAN und schalten softwaregesteuert vom Verteidigung auf Angriff, wenn sie den Ball haben. Die Naos dürfen sich maximal drei Nachrichten zukommen lassen.

Das Bremer Team nimmt acht Naos mit. Die Größe ist praktisch, denn die Humanoiden fliegen im Handgepäck mit. Sie passen in die Trolleys, die als Kabinengepäck erlaubt sind. „Wir können ja auch den Kopf abnehmen“, meint Röfer. Fraglich ist, ob die Bremer zwei neue Naos mitnehmen. Dazu müsste die Software noch angepasst werden, und es könnte sein, dass die Zeit dazu zu knapp wird. Das Bremer Team hat sich mit dem dritten Platz bei der „RoboCup German Open“ für die WM klassifiziert. Auch Nao-Teams aus Leipzig, Hamburg, Berlin, Frankfurt und Dortmund sind in Montreal dabei.

Lesen Sie auch: Serienmeister B-Human will Titel verteidigen

German-Open-Sieger wurde das Team aus Leipzig. Die HTWK-Mannschaft fliegt mit acht Studenten und neun Robotern nach Montreal. Teamleiter Rico Tilgner schätzt, dass der Titel wieder unter den deutschen Teams aus Bremen, Leipzig und Dortmund ausgemacht wird. „Es könnte knapp werden.“

Die Regeln sind anders als beim menschlichen Fußball und verändern sich laufend. Es gibt noch kein Abseits. „Leider werden noch zu wenig Pässe gespielt“, sagt Röfer. Aber in diesem Jahr sind bei der WM Freistöße und Torwartabstöße dazu gekommen. Die drei Schiedsrichter sind keine Roboter und legen den Ball nach einem Schuss ins Aus oder zum Torwartabstoß wieder ins Feld. Für Einwürfe sind die Naos einfach noch zu langsam. Das würde den Spielfluss hemmen. Aber Fouls sind ihnen nicht fremd. „Es gibt zwar keine gelben oder roten Karten. Aber wenn einer den anderen umrempelt und der Spieler umfällt, dann gibt“s Zeitstrafen“, erläutert Röfer.

Als Trainingscamp dient den Bremer Studenten ein Vorlesungssaal, der umfunktioniert wird. Einmal in der Woche ein Testspiel, vor der WM werden es auch schon mal zwei. Ein Nao kostet um die 6000 Euro, an die „Profi-Teams“ gibt der Hersteller sie für rund 4000 Euro ab. Die Spielqualität hängt auch vom Zustand des Humanoiden ab. Wackeln die Gelenke, leidet die Treffsicherheit. Ein Nao im Bremer Team ist schon ziemlich alt und wackelig. „Der hat auch keine Garantie mehr. Wenn der kaputt ist, dann ist er kaputt.“ Ansonsten steht der Hersteller mit Serviceleistung zur Seite.

Besonders schnell sind die etwa fünf Kilogramm schweren Naos nicht unterwegs. „30 Zentimeter pro Sekunde. Das ist eher Gehen“, räumt selbst der Trainer ein. Auch haben die Roboter einen viel kleineren Sichtbereich als menschliche Spieler. Mit den Handy-Kameras sei nur ein ziemlicher Tunnelblick möglich. All das muss sich ändern, denn die RoboCup Federation hat ein ehrgeiziges Ziel: „Etwa Mitte des 21. Jahrhunderts soll ein Team aus voll autonomen humanoiden Roboter-Fußballspielern ein Fußballspiel nach den offiziellen FIFA-Regeln gegen den aktuellen (menschlichen) WM-Sieger gewinnen.“

Hier können Sie ein Spiel des Bremer Teams bei der RoboCup Weltmeisterschaft 2017 sehen.

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