BREMEN - Plötzliche Arbeitslosigkeit, die Diagnose Krebs, der Tod eines geliebten Menschen: Es gibt vielfältige Situationen, die uns in eine Krise stürzen, uns plötzlich die Kraft zum Leben rauben.

Prof. Dr. Annelie Keil, Bremer Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin sowie Biografieforscherin, liefert in ihrem Buch „Auf brüchigem Boden Land gewinnen. Biografische Antworten auf Krankheit und Krisen“ Anregungen, wie jeder Einzelne in einer Krisensituation den Kopf über Wasser halten kann. Im Mittelpunkt steht dabei, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren, in einen Dialog mit der eigenen Biografie zu treten.

Dieses Buch ist mehr als ein typischer Lebensratgeber – vielleicht ist es auch gerade die richtige Menge weniger. Fern von jeder Besserwisserei, jedem mahnenden Fingerzeig oder imaginären Klaps auf den faulen Allerwertesten der Veränderungsverweigerer tut die Autorin genau das, was sie als unverzichtbar für eine biografische Lebensarbeit hält: erzählen. Sie lässt Menschen in Krisensituationen zu Wort kommen, gewährt Einblicke in die Gedankenwelt eines bulimiekranken Mädchens, einer arbeitslosen Frau, eines elfjährigen Psychiatriepatienten. Anhand dieser Beispiele zeigt sie, dass eine „Einführung des Subjekts“ in die Medizin notwendig ist.

Die stärksten Kapitel sind diejenigen, in denen die Autorin von ihren eigenen Krisen und schweren Krankheiten erzählt. Ihre These der „Genesung am Leben“ steht dabei im Mittelpunkt: „Alles, was geschieht, findet mitten im Leben statt. In ihm erkranken wir – und nur zusammen mit und in diesem biografischen Leben genesen wir auch.“ Professionelle Hilfe kann nicht den eigenen Lebenswillen, die eigene Verantwortung, die biografische Arbeit ersetzen.

Nicht zuletzt durch ihren persönlichen Erfahrungshorizont und ihre bildhafte, einprägsame Sprache schafft Annelie Keil eine Symbiose aus Authentizität und märchenhaftem Wortwitz.