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NWZonline.de Region Bremen

Lesumbrücke bleibt weiterhin teilgesperrt

19.07.2019

Bremen Seit Mitte Dezember 2018 ist die Lesumbrücke halbseitig gesperrt. „Der westliche Teil der Brücke ist dem Verkehr entzogen“, heißt es. Der Verkehr rollt vierspurig über den anderen Brückenteil, der erst 1974 erbaut wurde. Das soll nicht zum Dauerzustand werden. „Wir wollen möglichst schnell wieder Fahrt aufnehmen“, sagt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV).

Bei Nachkontrollen an der Lesumbrücke auf der Autobahn A 27 zwischen den Anschlussstellen Industriehäfen und Ihlpohl waren „erhebliche Defizite bei der Tragfähigkeit“ festgestellt worden. „Die Problematik steckt im Stahl“, sagt Stellmann. Die Stahlträger der 1949 und 1956 fertiggestellten Brückenteile weisen Risse und aufgeplatzte Stellen auf. Gutachter wurden mit der Materialprüfung beauftragt. Und am Donnerstag sind die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert worden. Das Fazit der Gutachter lautet: „Die Brücke kann nicht mehr unter Verkehr gehen.“ Aus Sicht der Institute ist eine „statische Ertüchtigung“, also eine Sanierung der maroden Brückenhälfte, nicht möglich.

„Unsere Experten sehen das anders“, sagt Bau-Staatsrat Ronny Meyer. Baubehörde und ASV favorisieren nach wie vor die Sanierung des Bauwerks als schnellste und wirtschaftlichste Lösung. Zunächst ist ein neues Gutachten in Auftrag gegeben worden. Im Herbst soll dessen Ergebnis vorliegen. Und dann soll die endgültige Entscheidung fallen.

„Der Neubau ist gesetzt“, sagt Stellmann. „Die Planung ist bereits beauftragt.“ Bis 2028 könnte die neue Brücke (also der neue Westteil) fertiggestellt sein, schätzt das ASV. Das Problem sei das langwierige Baurechtsverfahren mit seinen diversen Klagemöglichkeiten und dem Naturschutzkonglomerat. Schließlich liegt die Brücke in einem FFH-Gebiet. „Die Bauphase haben wir gut im Griff.“

Zurück in die nahe Zukunft: Als Alternative zur Sanierung der Brücke mit neuem Stahl bleibt für die Übergangsphase bis zum Neubau die Erneuerung des Brückenüberbaus im Spiel. Aus dem Rennen ist der Einsatz einer Behelfsbrücke, sagt Stellmann. Das Verfahren gilt als zu aufwendig. Ein Eingriff in den Fluss (die Lesum) wäre erforderlich. Die Brücke wäre nur vierspurig befahrbar. Es herrschten ganz andere Zug- und Druckbelastungen, sagt Thomas Sauer, Leiter der Abteilung Brücken- und Ingenieurbau beim ASV. Er verweist zudem auf „abhebende Kräfte“.

Bei der favorisierten Instandsetzung und beim Ersatz des Brückenbaus rollt der Verkehr hingegen sechsspurig und mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 120 km/h – so wie vor der Teilsperrung. Die Bauzeit für die Ertüchtigung, die den Stahlträgern neues Leben für geschätzte 15 Jahre einhaucht, wird auf 14 Monate geschätzt, die Fertigstellung für September 2020 angepeilt. Für den „Überbau in gleicher Gewichtsklasse“ werden 23 Monate veranschlagt bis Mitte 2021. Und dann liegt die Auftragsverwaltung nicht mehr beim Land Bremen, sondern bei der Autobahnverwaltung des Bundes, die ab 2021 diesen Job übernimmt. Bauherr ist und bleibt der Bund. Das Land zahlt nur die Planungskosten. Für das erste Gutachten sind laut ASV 300 000 Euro gezahlt worden. Das neue soll noch einmal 50 000 Euro kosten. Es sei nicht so umfangreich. Es gehe nur darum, ob die Sanierung nicht doch möglich ist.

Über die 110 Meter lange Lesumbrücke fahren pro Tag rund 80 000 Fahrzeuge, davon sind 5800 schwerer als 3,5 Tonnen. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent. In Bremen gibt es laut ASV 760 Straßenbrücken mit einer Brückenfläche von etwa 415 000 Quadratmetern. 37 Prozent befinden sich im Besitz („in der Baulast“) des Bundes. Dazu zählt eben auch die Lesumbrücke.

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