BREMEN - Hein ist pensionierter Hafenarbeiter. Er ist verwitwet, haust in einem Campingwagen. Und wer ihn treffen möchte, ist im Rotlichtlo-kal „Krokodil“ meist an der richtigen Adresse. Hein besteht aus Gips, Papier, Farbe und einer Mütze. Er thront mit etwa 40 anderen Masken auf den Regalbrettern des Blaumeier-Ateliers in Walle.

Lebenslauf und Charakter verdankt Hein der Fantasie der Künstler, die hier zusammen Maskentheater spielen: Behinderte und Nicht-Behinderte, die am 25. und 26. Februar beim Bremer Samba-Karneval auftreten werden.

„Jeder gestaltet seine Maske ganz individuell. Wenn sie fertig ist, wird sie testweise bespielt. So erhält sie nach und nach ihren Charakter“, sagt Hellena Harttung, eine der zwölf Festangestellten im Blaumeier-Atelier. Dann beginnt die Interaktion. „Wir fangen experimentell in kleinen Gruppen an“, ergänzt Andreas Meister, der die Maskentheatergruppe gemeinsam mit zwei Kolleginnen leitet. „Jeder Spieler bekommt durch Improvisation Futter für seine Figur, bis sie stabil genug für das Zusammenspiel mit anderen ist.“

Ein roter Haarschopf biegt um die Ecke, das runde, weiße Gesicht und der Körper im Blümchenkleid folgen. Die Figur präsentiert stolz ein Tuch und beginnt, den Türrahmen zu putzen. Sie versucht, durch den Rahmen zu gehen, längs gespannte Seile hindern sie aber daran. Eine weitere Figur – riesige Kartoffelnase, überlanges Hemd – betritt die Bühne und biegt die Seile für die Blümchenfrau auseinander, reicht ihr elegant die Hand. Bevor die Dame zugreift, wischt sie die helfende Hand sicherheitshalber erst mit dem Tuch ab. Gelächter im Publikum, Applaus.

Auf das gesprochene Wort wird im Maskentheater gänzlich verzichtet, gespielt wird nur mit dem Körper. Das erfordert ein intensives Spiel mit viel Kreativität. Eine Herausforderung für die Maskenspieler, aber auch ein Vorteil. Denn nicht umsonst gilt das Maskentheater als Herzstück des integrativen Vereins: „Wenn man die Maske aufsetzt, ist eine Behinderung automatisch kein Thema mehr“, sagt Meister.

Seit 25 Jahren arbeiten behinderte und nicht-behinderte Menschen bei Blaumeier zusammen. Bis zu 250 Menschen nehmen die kreativen Kurse wöchentlich in Anspruch.