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NWZonline.de Region Bremen

Weihnachtszauber auf dem Ozean

18.12.2017

Bremen Sie singen von Liebe, von Abenteuer, vom leuchtenden Kreuz des Südens und immer wieder von Freiheit. An Bord des knapp 200 Meter langen norwegischen Stückgut-Frachters „Star Grip“ im Hafen schmettert der Shantychor aus der benachbarten Neustadt Seemanns- und Weihnachtslieder, die eine vergangene Zeit heraufbeschwören.

Denn heute ist im Hafen alles eng getaktet. Anlegen, entladen, beladen und wieder auslaufen: Zeit ist Geld. Für die Besatzung an Bord ist kaum Gelegenheit zu einem ausgiebigen Landgang mit Besuch des Weihnachtsmarkts.

Umso mehr freut sich die 24-köpfige philippinische Crew um Kapitän Rodrigo Lumaad (59) über den Besuch des Shantychores, der zusammen mit der evangelischen Seemannsmission an Bord gekommen ist. Seemannspastorin Jutta Bartling hat einen Weihnachtsmann mitgebracht, der Geschenke verteilt: warme Mützen, Schokolade, internationale Telefonkarten für Gespräche mit den Familien. „Für die Seeleute zählt weniger der materielle Wert“, meint Bartling. „Für sie ist wichtig, dass jemand auch fern der Heimat an sie denkt.“

Bartling kommt zeitig, weil die „Star Grip“ in den nächsten Tagen wieder auslaufen wird. Wenn in Deutschland an Heiligabend die Lichter am Tannenbaum leuchten, stampft der Frachter mit Ziel US-Westküste durch die jetzt häufig unwirtlichen Wellen des Atlantiks. „Wohl 200 Seemeilen vom nächsten Hafen entfernt“, schätzt Kapitän Lumaad.

Sich fern von Heimat und Familie einsam und verlassen zu fühlen, sei eine der größten Belastungen an Bord, weiß die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission mit Sitz in Bremen, Heike Proske.

„Dabei sind es die Seeleute, die dafür sorgen, dass wir überhaupt Geschenke erhalten“, erläutert die leitende evangelische Theologin. Denn mehr als 90 Prozent aller umgeschlagenen Waren würden über die Meere transportiert. Doch keiner der weltweit etwa 1,2 Millionen Seeleute habe während der oft monatelangen Fahrenszeit eine Adresse, an die ein Päckchen oder ein Brief geschickt werden könnte.

Auch Holger Winter, ehrenamtlicher Bordbesucher der Seemannsmission und Mitsänger im Shantychor, kennt die isolierte Situation zum Fest an Bord. Der 74-Jährige hat Maschinenschlosser gelernt und war lange Zeit selbst auf See. „Das ist mein Hobby, das war meine Arbeit, mein Alles. Aber Weihnachten auf See – das ist trauriges Zeugs“, erinnert er sich.

Dabei ist es beileibe nicht so, dass sich das Fest auf dem Schiff nach Alltag anfühlt. Schon jetzt ist die Mannschafts-Messe – das bordeigene „Wohnzimmer“ – auf der „Star Grip“ mit einem Kunststoff-Tannenbaum und glitzernden Girlanden weihnachtlich geschmückt. An Heiligabend will der Schiffskoch in seiner Kombüse irgendwo im Nirgendwo ein großes Festmahl zaubern. „Dann ziehen alle ihre besten Sachen an“, erzählt Kapitän Lumaad.

Im vergangenen Jahr wurden auf Initiative der 32 Stationen der Deutschen Seemannsmission im In- und Ausland etwa 60 000 Weihnachtstüten verteilt.

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