BREMEN - „Du schnarchst!“ Das möchte niemand hören. Doch schnarchen kann auf eine Volkskrankheit hinweisen unter der vier bis sechs Millionen Menschen, überwiegend Männer, in Deutschland leiden: Schlafapnoe. Eine Krankheit, bei der während des Schlafens die Atmung aussetzt. Am Tag darauf sind die Betroffenen müde, auf längere Sicht werden sie krank. Doch viele wissen gar nicht, woher ihre permanente Müdigkeit kommt. An die Atemaussetzer können sie sich nicht erinnern.

So ging es auch Jürgen-Dieter Paulus aus Delmenhorst. Jahrelang wackelten Nacht für Nacht in seinem Schlafzimmer die Wände. Doch eines nachts wachte seine Frau auf, weil ihr Mann nicht mehr schnarchte. Sie hatte sich so daran gewöhnt, dass die Stille sie weckte. Sie stellte fest, dass ihr Mann nicht atmete. Es sollte dennoch zehn Jahre dauern, bis der heute 76-jährige richtig behandelt wurde.

Auch bei Renate H. aus Bremen dauerte es viele Jahre, bis sie in Behandlung kam. Dass die Krankheit bei ihr entdeckt wurde, war Zufall. Nach einer Operation im Krankenhaus kam immer wieder eine Schwester zu ihr in den Aufwachraum und sagte: „Sie müssen atmen.“ Von der Schlafapnoe hatte die damals 65-Jährige noch nichts gehört. Dennoch wunderte sie sich über ihren Bluthochdruck, der sie auch noch beschäftigte nachdem sie schon in Rente war und keinen Stress mehr hatte.

Heute schläft H. mit einer Nasenmaske. Die hält ihr während des Schlafens durch den erzeugten Überdruck die Atemwege frei. Denn bei der Schlafapnoe fällt die Vorderwand im Rachen auf die Hinterwand und verschließt die Atemwege. Die Schlafenden, hören auf zu atmen, so dass es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt, erklärt der Bremer Internist und Pneumologe Dirk Matthießen: „Das Gehirn registriert das, und über einen Adrenalinstoß werden die Atemwege wieder frei, der Patient kann wieder atmen.“ Bleibt die Krankheit unerkannt, kann es zu Hirn- oder Nierenversagen, Kreislaufstörungen, Depressionen und Herzinfarkt kommen.

Die häufigste Hilfe ist die Atemmaske. An sie müssen sich viele Patienten erst gewöhnen. Viel Zeit widmet daher auch die von Jürgen-Dieter Paulus vor drei Jahren in Bremen gegründete Selbsthilfegruppe den Fragen rund um die Maske. Denn die Auskünfte von Ärzten, Krankenkassen und Herstellern fließen spärlich, weiß er aus eigener Erfahrung: Die Selbsthilfegruppe in Bremen trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 18 Uhr im Netzwerk Selbsthilfe in der Faulenstraße 31.