Bremen - Chinas wirtschaftlicher Aufstieg und eine jahrtausendealte Kultur – es gibt gute Gründe dafür, die chinesische Sprache zu erlernen. Am Gymnasium Horn können Schüler jetzt nicht nur Chinesisch lernen, sondern in dem Fach auch eine mündliche Abiturprüfung ablegen. Dafür wurde am Freitag ein sogenanntes „Konfuzius-Klassenzimmer“ feierlich eröffnet.
Wer in die fremde Welt der chinesischen Schriftzeichen eintauchen möchte, braucht Zeit. Etwa 3 000 Schriftzeichen sollte schließlich derjenige kennen, der eine chinesische Zeitung lesen und verstehen möchte, sagt Maja Linnemann, Geschäftsführerin des Konfuzius-Instituts Bremen (KIB).
Viele Schriftzeichen
Die Wirtschaftssinologin weiß: „Die Sprache lernt man nicht einfach so ,nebenbei‘.“ Herausfordernd beim Lernen sei nicht nur die große Menge an Schriftzeichen, sondern auch die ungewohnte Aussprache des Hochchinesischen mit den vier Tönen, so Linnemann. Diese sind in der chinesischen Sprache sehr bedeutsam: So ist eine Änderung im Ton auch mit einer Bedeutungsänderung eines Wortes verbunden. Aber: „Chinesisch ist auch nicht so schwierig, wie man vermuten könnte.“ Die Grammatik etwa sei einfacher als im Deutschen oder im Russischen, es gebe keine Artikel, keine Deklination und Konjugation.
Am Bremer Gymnasium an der Hamburger Straße können Schüler bereits seit Längerem ihr Abitur im Fach Chinesisch ablegen. Am Horner Gymnasium lernen Schüler seit zwei Jahren Chinesisch, bislang in einer vom KIB durchgeführten Chinesisch-AG. Sie wird nun zum Abiturprüfungsfach ausgebaut und hierfür künftig vom Konfuzius-Institut verstärkt mit Übungsmaterialien, Büchern und Kulturveranstaltungen unterstützt, wie ein Sprecher der Hochschule Bremen mitteilt. Der Unterricht soll Wirtschaft als Schwerpunkt haben und auch auf berufliche Tätigkeiten in Zusammenhang mit China vorbereiten.
Das KIB wurde 2013 von der Hochschule und ihrer Partneruniversität, der Capital Normal Universität (CNU) in Peking, gegründet. Auch die Uni Bremen und die Jacobs-University gehören zu den Partnern der Einrichtung.
Das neue „Konfuzius-Klassenzimmer“ in Horn ist das fünfte seiner Art in Deutschland. Es wird von der Zentrale der Konfuzius-Institute in Peking gefördert, um jungen Menschen die chinesische Sprache und Kultur näherzubringen und die chinesisch-deutsche Völkerverständigung zu fördern. Eingeweiht wurde es am Freitagnachmittag im Rahmen der Feiern zum 50-jährigen Jubiläum der Schule im Beisein eines Gesandten der chinesischen Botschaft.
Hohe Hürde
Ob am Konfuzius-Institut oder in der Schule, eine Sprache lerne man nicht nur für den Lebenslauf oder die Karriere: „Fremde Sprachen zu beherrschen eröffnet neue (Denk-)Welten, den Zugang zu Menschen und den schriftlichen Zeugnissen ihrer Kultur und Geschichte“, so Linnemann. Beim Chinesischen gelte es zwar, eine hohe Hürde zu überwinden. „Aber die Befriedigung über die Lernerfolge – eine gewisse Sprachbegabung vorausgesetzt – ist auch umso größer.“
