Bremen -  Die seit zehn Jahren etablierte Struktur aus Oberschule und Gymnasium sollte nicht verändert werden. Das Modell sei „zukunftsfähig“ und „modernisierungsoffen“. Zu diesem Fazit kommt eine Gruppe aus Wissenschaftlern unter Federführung von Prof. Kai Maaz (Deutsches Institut für Internationale Pädagogik, DIPF). Montag nahmen die Fraktionen, Bürgermeister Carsten Sieling, Bildungssenatorin Claudia Bogedan (beide SPD) und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) die Empfehlungen der Kommission entgegen.

Nein, es hat wahrlich keinen guten Ruf, das Bremer Schulsystem. Etliche Eltern, die es irgendwie möglich machen können, geben ihren Nachwuchs auf eine der Privatschulen – trotz des Schulgeldes. Und Jugendliche, die statt im Umland lieber auf eine vermeintlich „leichtere“ Schule in Bremen wechseln und hier ihren Notendurchschnitt im Handumdrehen erheblich verbessern, dürfte jeder „Umländer“ in seinem Umfeld kennen.

2008 wurde parteiübergreifend ein sogenannter „Schulfrieden“ mit einer strukturellen Weiterentwicklung des Schulsystems verabredet. Heraus kam das zweigliedrige Schulsystem aus Oberschule und Gymnasium sowie die Inklusion behinderter Schüler in den Unterricht. In Auftrag gegeben wurde die Evaluation zum „Schulfrieden“ vor zehn Jahren von allen Fraktionen gemeinsam. Fazit heute: Alles so lassen wie gehabt. Stabile Rahmenbedingungen seien wichtig, „jede Veränderung an der Struktur wäre kontraproduktiv“. Die Wissenschaftler bescheinigen Bremen, mit den lediglich zwei Schularten Oberschule und Gymnasium ein „richtiges Fundament“ zu haben. Bogedan: „Auf dieser Basis können und müssen wir unser System weiterentwickeln.“

Die Experten machten deutlich, dass sich die Leistungsergebnisse der Bremer Schüler seit der Umstellung auf die neue Struktur nicht verschlechtert hätten. Und das sei angesichts von „großen Herausforderungen“ nicht selbstverständlich und demzufolge eine gute Nachricht. Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass es noch einige „Baustellen“ für die Weiterentwicklung gebe. Die Schulentwicklung müsse systematisch auf der Basis von Daten erfolgen. Es hapere beispielsweise bei der Nutzung von Infos über die Leistungsstände der Schüler. Die Schulen hätten keine Infos darüber, welche Maßnahmen den Schülern nützten.

Der Bericht verweist ferner darauf, dass die Schulen recht unterschiedlich ausgestattet sind. Schwierigere soziale Lagen, das trifft beispielsweise auf Gröpelingen zu, wo in den Klassen überwiegend nur zwei, drei Schüler ohne Migrationshintergrund sitzen, müssten besonders gefördert werden. Da es immer mehr Schüler mit Förderbedarf gebe, müsse es auch mehr Sonderpädagogik-Lehrer geben.

Die Experten schlagen zudem vor, weniger beliebte Oberschulen und die frühe Sprachförderung zu stärken sowie die Ganztagsangebote in weiterführenden Schulen auszuweiten. Aktuell besuchen laut Bildungsressort 71 Prozent aller Bremer Schüler die Oberschule, 29 Prozent ein Gymnasium.