BREMEN -
Skepsis macht Begeisterung Platz: Ein gutes Mittel gegen „Abziehen“ scheint gefunden zu sein. Von Ulf Buschmann
BREMEN - Der Elternbeirat ist dafür, und die Schulleitung auch. Auch die Politik hat nichts dagegen. Schließlich ebnete die Bremische Bürgerschaft dafür erst im Sommer den Weg. Seitdem ist es den Schulen erlaubt, einheitliche Schulkleidung einzuführen. Begründung: Dem weitverbreiteten Markenneid unter Schülern und dem daraus folgenden „Abziehen“, wie das Stehlen teurer Klamotten genannt wird, soll Einhalt geboten werden.Den Anfang im Land Bremen hat jetzt die Klasse 7a des Schulzentrums an der Lerchenstraße gemacht. Allerdings stehen die Zeichen auf Ausweitung, die 7b hat bereits geordert. Aber auch in anderen Jahrgängen der Schule in Bremen-Nord wandern die Bestelllisten bereits herum, Schüler und Eltern zerbrechen sich gemeinsam darüber den Kopf, was der Nachwuchs denn wohl am coolsten findet. Das Sortiment umfasst weiße und blaue Shirts, Kapuzenjacken, Pullover und gestreifte Polohemden.
Gegen den Begriff „Schuluniform“ wehrt sich nicht nur Schulleiter Gerold Schmidt. Auch die Schüler finden solch einen Ausdruck schlichtweg „doof“, wie ein 14-Jähriger aus der Klasse von Lehrer Oliver Bomber meint. Seine 13-jährige Mitschülerin unterstützt ihn. „Die Klamotten sind supertoll. Man kann alles dazu anziehen – und ich spare morgens Zeit, weil ich nicht so lange überlegen muss, was ich zur Schule aus dem Schrank holen soll.“
Derartige (zeit-) praktische Ausrichtungen sind zwar eher eine Ausnahme unter den Schülern der 7a, gleichwohl stößt das Projekt aber allgemein auf viel Gegenliebe. Während der offiziellen Ausgabe zu Weihnachten sind die Mädchen und Jungen teilweise mächtig überrascht gewesen, über das, was Bomber aus der Verpackung zauberte. Einer der Jungen findet sein Sweatshirt so klasse, „dass ich damit wohl auch mal schlafen gehe“.
Dass sich jemand so innig in sein neues Kleidungsstück verliebt, hätten die Initiatoren vor zwei Jahren sicherlich nicht gedacht. Als der zuständige Kontaktpolizist Frank Siegmeier mit der Idee an die Schule herangetreten war, ließen zahlreiche Eltern ihre Skepsis durchblicken.
So manch einer wagte den Blick zurück in die Historie, bekam ein ungutes Gefühl. Dies hat sich inzwischen um 180 Grad gedreht. Nun überwiegt nicht nur die Auffassung, dass soziale Ungleichheiten und das „Abziehen“ minimiert werden. Die meisten der Schüler aus der Klasse 7a finden, dass sie sich jetzt viel besser mit ihrer Schule identifizieren können – und den Geldbeutel der Eltern kann das Ganze auch noch schonen. So kostet ein Kapuzenpullover 19,90 Euro. Trotzdem macht der Hersteller ein gutes Geschäft. Bald nämlich sollen bereits fünf Klassen mit der einheitlichen Schulkleidung ausgestattet sein.
Infos: www.schule.bremen.de/schulen/lerchen/index.html
Der Ausdruck „Schuluniform“ wird nirgendwo gern gehört
