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NWZonline.de Region

Sie musste sterben, weil sie die Scheidung wollte

08.11.2017

Bremen  Das Landgericht Bremen hat am Dienstag einen 40 Jahre alten Angeklagten wegen Totschlags und Schwangerschaftsabbruchs zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ist überzeugt davon, dass der Mann im Januar in der Hochhaussiedlung Grohner Düne in Vegesack seine hochschwangere Frau erschlagen hat.

Mit ihr starb das ungeborene Kind. Mit einem Ziegelstein hatte der Mann auf den Kopf der 40-Jährigen eingeprügelt – er zerstörte damit, was er sich so lange gewünscht hatte: eine eigene Familie. Das war es, nach dem sich der Angeklagte so lange gesehnt hatte. Sein Traum von Frau und Kind, von einem sorgenfreien Leben in den eigenen vier Wänden – das war zum Greifen nah. Nicht einmal 30 Minuten dauerte es, dann war er aus, dieser Traum. Zerstört durch mindestens vier wuchtige Schläge mit einem Ziegelstein auf den Kopf seiner Frau, die nicht nur das Leben der 40-Jährigen forderten, sondern auch dafür sorgten, dass die ungeborene Tochter nie das Licht der Welt erblickte. Drei Wochen später sollte sie zur Welt kommen.

Weil sie nicht mehr so leben wollte, wie die Jahre zuvor, weil sie sich nicht verständigen konnten, der Kurde und die 2015 aus Syrien geflüchtete Frau und weil ihr Leben stets aus denselben monotonen Abläufen bestand, aus Arztbesuchen und gemeinsamen Einkäufen-, offenbarte die Frau ihren Scheidungswunsch. Einen Anwalt hatte sie, so ergab es die Beweisaufnahme, bereits eingeschaltet, ihr Entschluss stand fest. Für den Angeklagten, konfrontiert mit seinen größten Ängsten, brach eine Welt zusammen. Nicht in der Lage zu begreifen, was gerade passierte und in dem Glauben, seine Frau sei glücklich gewesen, schlug er nach Auffassung des Gerichts auf sie ein. Das hatte der 40-Jährige bereits während seiner polizeilichen Vernehmung geschildert, vor Gericht wiederholte er diese Angaben. Damals sagte er: „Sie hörte einfach nicht auf zu reden. Sie sollte still sein.“

Für die Tat, „die bei vielen Menschen großes Leid verursachte“, so Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel am Dienstag in ihrer Urteilsbegründung, muss der Mann nun neun Jahre ins Gefängnis. Mit diesem Urteil schloss sich die Kammer dem Antrag des Staatsanwalts an. Einen Mord aus Heimtücke, wie ihn die Nebenklagevertreter erkannten, konnte das Gericht nicht feststellen. Zwar liege aus objektiver Sicht Heimtücke vor, da die Frau aufgrund ihrer fortschreitenden Schwangerschaft und dem nie von Gewalt geprägten Zusammenleben mit ihrem Ehemann arg- und wehrlos war, doch der Angeklagte habe dies nicht bewusst „instrumentalisiert“. Vielmehr handele es sich bei der Tat um „ein hochaffektives und nicht geplantes Vorgehen“, bei dem „keine Verschleierungstendenzen“ zu erkennen gewesen seien.

Hinzukomme, dass eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“ während der Tatausübung nicht ausgeschlossen werden könne, sagte Richterin Lätzel und bezog sich dabei auf ein psychiatrisches Gutachten, das dem Mann unter anderem eine Depression, Intelligenzminderung und „die unterdurchschnittliche Flexibilität in der Bewältigung von schweren Lebenssituationen“ attestierte. Zwar sei sein Geständnis von Reue geprägt gewesen, dennoch, und das betonte die Richterin, habe es für den Angriff „nicht den geringsten Grund“ gegeben.

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