BREMEN - „Warum müssen wir unsere eigene Konkurrenz finanzieren?“ – das fragt Ralph Saxe, Weinhändler aus der Wachmannstraße („Vinum“). Saxe und sieben weitere Weinhändler, die sich „Freie Weinhändler Bremens“ nennen, hatten einen Termin bei Wirtschafts-Staatsrat Heiner Heseler. Es ging um den Ratskeller und die Subventionen, mit denen die Stadtgemeinde Bremen diesen staatlichen Weinhandel gegen die private Konkurrenz aufpäppelt.

Das Gespräch sei „konstruktiv“ gewesen, sagt Weinhändler Saxe, man habe vereinbart, im Kontakt zu bleiben – konkrete Ergebnisse gebe es aber nicht. Das Thema ist nicht neu. Schon vor Jahren waren andere Weinhändler Sturm gelaufen. Denn die staatliche Ratskeller-GmbH hatte mit Steuergeld auf Expansion gesetzt: Drei Filialen waren eröffnet worden, eine im Walle-Center, eine im Weser-Park, eine im Hansa-Carre in Hastedt. Begründung für die Expansion: Die Defizite aus dem Weingeschäft im Keller unter dem Rathaus sollten über die Filialen abgefedert werden. Die Ratskeller-GmbH unterschrieb Zehnjahres-Mietverträge – so wirtschaftet eben jemand, der das Risiko auf den Staat abwälzen kann. Drei Jahre nach dem Start 1999 kam dann die Quittung: Die Filialen waren defizitär.

Aus dem Mietvertrag für die Filiale Hansa-Carre stieg der Ratskeller aus – dafür wurde der städtische Zuschuss um 132 000 Euro erhöht. Der Betreiber des Walle-Centers wollte nicht auf seinen solventen Pächter verzichten. Erst im kommenden Jahr 2009 kann der Ratskeller dort seine defizitäre Filiale schließen. Die Filiale im Weserpark hingegen mache keine Verluste. Dass die Filiale nicht geschlossen werden soll, bringt die privaten Weinhändler auf den Plan. Heiner Lobenberg von „Gute Weine“ am Ostertorsteinweg hat dem Wirtschaftsstaatsrat erklärt, dass auch er seine Steuern nicht dafür zahlt, dass der Wirtschaftssenator Weinhandel betreibt. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei zum Thema Ratskeller, die der Senat an diesem Dienstag abnicken will, wird das Problem elegant umgangen. „Die öffentliche Förderung dient dem Erhalt des Kulturerbes und der Tourismusförderung Bremens“, heißt es da. Immerhin stehen in der Antwort die Summen, die die Ratskeller-GmbH als „Zuwendung“ bekam – in den vergangenen acht Jahren waren das insgesamt mehr als 3,3 Millionen Euro.