BREMEN - Das Werder-Heimspiel bescherte auch auswärtige Gäste: Schalke-Fans bevölkerten die Innenstadt bis zum Anpfiff.
Von Jörg Esser
BREMEN - „Schicke Klamotten sind doch nicht alles“, brummelt der junge Mann vor sich hin. „Echte Frühlingsgefühle hat man doch erst, wenn es richtig schön warm ist“, sagt er und schleppt die augenscheinlich prall gefüllten Einkaufstüten seiner Freundin gen Liebfrauenkirchhof.Dort winkt bei der Bürgerpark-Tombola ein roter Polo als Hauptgewinn. Es ist wieder einmal verkaufsoffener Sonntag – in der Innenstadt, am Wall und im Steintor-Viertel. Die Kaufleute nutzen das und bringen diverse Schnäppchen unters Einkaufsvolk.
Doch das ist nicht alles an diesem Sonntag, an dem die Karussells auf der Osterwiese ihre letzten Runden drehen. Für die echten Farbtupfern sorgen die Fußballfans. Blau-weiße Schalke-Schals und ebensolche Trikots schaukeln durch die Stadt. Gesänge im Ruhrpott-Slang ertönen. Und treffen auf zunächst vornehme Zurückhaltung der grün-weiß-orangen Trikot- und Schalträger.
Was soll’s. „Was zählt, ist auffem Platz“, schreit plötzlich ein Schalke-Fan aus dem Sauerland, der mit seinen Kumpeln gerade mit blau-weißer Riesenfahne eine Kneipe auf dem Marktplatz geentert hat. Erfolgreich, versteht sich.
In den Bremer Modegeschäften tummeln sich derweil auch ganz viele Menschen. Ohne Schals. Aber immer noch mit ziemlich dicken Jacken. Es herrscht eine angenehm entspannte Stimmung. „Das ist sonntags fast immer so“, sagt eine freundliche Verkäuferin in der Bademoden-Abteilung. Und schon wieder dringen unselige „Schalke“-Rufe ins Kaufhaus.
„In zwei Stunden ist Anpfiff, die sind gleich weg“, ist eine Rentnerin auf dem Weg in die Bettenabteilung zu vernehmen. Ihrem Mann scheint‘s egal zu sein. Vollgepackt sehnt er schon jetzt den Abpfiff herbei – den um 18 Uhr, wenn nach fünf offenen Stunden die Kaufhäuser und Modegeschäfte ihre Pforten wieder schließen.
