BREMEN - Viele Holländer trafen sich gestern zu einem ungewöhnlichen Spektakel. In den Wallanlagen wurde Rembrandts „Nachtwache“ bei Tageslicht nachgestellt.

von Thomas Kuzaj

BREMEN - 50 000 Tulpen und eine Windmühle – eine typisch holländische Szenerie? Nicht unbedingt. 50 000 Tulpen und eine Windmühle: Diese Kombination gibt es auch in den Wallanlagen. Und so trafen sich dort gestern viele Holländer zu einem ungewöhnlichen Spektakel. Es wurde getrommelt, es wurden historische Kostüme getragen.

Der Anlass? Nun, Anlässe gibt es genug. So wird am kommenden Sonnabend der „Königinnentag“ gefeiert – der niederländische Nationalfeiertag. Und: Seit 200 Jahren gibt es ein niederländisches Konsulat in Bremen. Und: In diesem Jahr feiern die Holländer – und Kunstliebhaber in aller Welt – Rembrandts 400. Geburtstag.

Gut 40 Darsteller kamen deshalb gestern nach Bremen, um in den Wallanlagen Rembrandts „Nachtwache“ nachzustellen. Bei Tageslicht. Ohne die düstere Patina, die dem Gemälde diesen gewissen Hauch von Schwere verleiht. Ausgestattet mit Accessoires wie Wams und Federhut erschienen die Darsteller, die aus dem Süden der Niederlande stammen – und seit Jahrzehnten Erfahrung im Nachstellen der „Nachtwache“ haben. Sie sind gewissermaßen die lebendige Variante des Gemäldes. Mit Waffen – schließlich handelt es sich bei Rembrandts Motiv um die Darstellung einer Bürgerwehr aus dem 17. Jahrhundert. Und mit Hund, denn der gehört auch zum Bild. Und so vermischten sich vor den Augen der Schaulustigen und vor den Kameras der Journalisten die Kultur und deren touristische Vermarktung.

Keine Frage, dass Holland das Rembrandt-Jahr mit vielen Ausstellungen feiert. Ab 15. Juli gibt es in Amsterdam sogar ein Rembrandt-Musical. Dabei hat der Meister des Spiels mit Licht und Schatten gar nicht gesungen. Er war Maler, Zeichner, Radierer. Seine „Nachtwache“ übrigens war nicht immer so dunkel, wie man sie heute kennt. Viele Jahre hing das Gemälde am Kamin des Rathauses von Amsterdam – wo Ruß und Rauch sich auswirkten. Ursprünglich war das Bild auch größer. 1715 aber wurde es beschnitten – am Trommler auf der rechten Seite ist das gut zu erkennen. Er wirkt unnatürlich halbiert. Der Darsteller des Trommlers gestern war selbstverständlich ganz. Aber auch in der Fotografie gibt es ja die Möglichkeit des Anschneidens. So war alles perfekt. Nur von den 50 000 orangeroten Tulpen, die im vergangenen Herbst gepflanzt worden waren, blühten erst wenige. Doch dafür konnten die Holländer nichts. Das lag am langen Bremer Winter.