• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Bremen

Plattdeutsch als Schlüssel zum Herzen

24.10.2019

Bremen „Plattdeutsch ist die Sprache des Herzens“, sagt Christianne Nölting, die Geschäftsführerin des Länderzentrums für Niederdeutsch an der Contrescarpe. Das gilt besonders für Menschen, die mit Plattdeutsch aufgewachsen sind, für die es die eigentliche Muttersprache ist. Mit Blick darauf will das Länderzentrum nun Plattdeutsch in der Pflege etablieren – in Bremen, im gesamten Norden.

Jan-Bernd Müller (31) stammt aus dem Emsland und hat Gerontologie studiert, die Wissenschaft des Alters und Alterns. Seine Promotion im Fach Pflegewissenschaften läuft, zudem ist er plattdeutscher Muttersprachler. Er soll als Neuzugang am Länderzentrum für Niederdeutsch die Bereiche „Platt“ und „Pflege“ zueinander führen.

„Für die Plattdeutsch-Förderung brauchen wir Fachleute aus bestimmten Bereichen“, sagt Nölting. „Für Platt in der Pflege brauchen wir jemanden, der auch die Sprache der Einrichtungen spricht, die wir erreichen wollen.“ Der neben dem Plattdeutschen das Fachchinesisch beherrscht, das in den Verwaltungen der Pflege- und Wohnheime gesprochen wird.

Müller kennt sich da aus – schon von Haus aus. Sein Vater ist Geschäftsführer eines Pflegeheims nahe Papenburg. Der Sohn kennt den Betrieb des Vaters gut. „Da wird Platt geschnackt, das ist da selbstverständlich. Ich habe immer gemerkt, wenn man mit den Bewohnern Platt spricht, dann ist der Kontakt viel persönlicher, wärmer, näher.“

Plattdüütsch in de Pleeg – eine Broschüre mit dem Titel „Sprache des Herzens“, die sich an Pflegeeinrichtungen richtet, ist in Arbeit. Anfang Dezember soll sie vorliegen. Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD, „Grau ist bunt“) hat die Schirmherrschaft für „Platt in der Pflege“ übernommen, sagt Nölting. Auch ein Plattdeutsch-Siegel für Pflegeeinrichtungen soll es geben. Und: Online-Seminare für Pflege- und Betreuungskräfte.

Dabei geht es nicht allein um Sprachvermittlung. „Es geht darum, erkennen zu können, dass Platt die Muttersprache eines Menschen ist“, so Müller. Dafür sollen Pflegekräfte sensibilisiert werden – beispielsweise, um „Demenzkranke in der Sprache ihrer Kindheit abzuholen“. Zudem sei „fachgerechte Biografiearbeit ein Weg, um die plattdeutsche DNA zu finden“.

Kann das nicht auch zu Problemen führen – etwa dann, wenn die Pflegekraft aus dem Ausland kommt? Nölting und Müller widersprechen energisch. „Gerade Pflegekräfte mit Migrationshintergrund sind oft mehr als andere an Sprachen interessiert, sind sehr offen dafür, Sprachen zu lernen“, sagt Nölting. Anfangs könnten auch schon ganz kleine Dinge hilfreich wirken: „Es geht um Phrasen und Floskeln und darum, mal ein Lied mitsingen zu können. Diese Sprache kann ein Schlüssel zum Herzen sein.“

Zudem spielten die Senioren in Sachen Plattdeutsch ohnehin eine besondere Rolle, bringt Nölting einen weiteren Aspekt zur Sprache: „Wir haben in den Heimen die Platt-Experten. Und in den Schulen und Kindergärten die Platt-Entdecker. Wir möchten gern, dass Alt und Jung zusammenkommen.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.