BREMEN - Der Saal der Arbeitnehmerkammer war so voll, dass gar nicht alle einen Sitzplatz bekamen. Zur Sondersitzung des Stadtteilparlaments war dabei neben lokaler Politprominenz auch der als Star-Architekt gehandelte Max Dudler (Berlin) angereist. Die Bebauungsgegner konnten weder er noch Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing besänftigen. Höing bedankte sich für die kultivierte Debatte und die kritischen Stimmen.

Erhitzt versuchten die Kritiker bis zum Schluss, die Zustimmung des Beirates abzuwenden. Denn für den Bahnhofsvorplatz hätten sie sich nicht nur Verbesserungen am ursprünglichen Entwurf gewünscht, sondern einen Park, eine Grünfläche. „Einen Platz zum Innehalten“ wünschte sich eine Zuhörerin aus dem Ostertor. Eine ältere Dame führte aus, dass es einen Unterschied gäbe zwischen den privaten Interessen eines Investors und den Interessen der Öffentlichkeit. Dafür erntete sie mildes Lächeln von der einen Hälfte des Saals, Beifall von der anderen. „Wie viele Hotels wollen wir noch?“ fragte sie. Und verwies auch auf den Leerstand in den umliegenden Bürogebäuden sowie im Beluga-Gebäude am Teerhof, „das wird ja bald frei“. Dafür immerhin gab es Lacher aus beiden Lagern. Lob kam von Michael Frenz, Präsident der Architektenkammer. Sein Kollege Florian Kommer ermutigte gar den Beirat, das Projekt selbstbewusster zu befürworten.

Der Investor, die Achim Griese Treuhandgesellschaft aus Hamburg, plant zwei getrennte Gebäude mit insgesamt rund 30 000 Quadratmetern. Kostenpunkt: 65 bis 70 Millionen Euro. Für das Grundstück will Bremen 5,9 Millionen Euro haben. Den ursprünglichen Entwurf, der ein Gebäude mit geschlossener Passage vorsah, hatte Architekt Dudler nach öffentlicher Kritik korrigiert. Nun soll eine Gasse zwischen den beiden siebenstöckigen Gebäuden die Sicht auf den Hauptbahnhof und ungehinderten Durchgang ermöglichen. Für die Mehrheit des Beirates ist dies eine wesentliche Verbesserung. Geplant sind Einzelhandel, Büros, Arztpraxen, Hotels und Gaststätten.

Ortsamtsleiter Robert Bücking (Grüne) sagte, man habe sich zu einer schnellen Entscheidung noch vor den Wahlen entschlossen, zumal die Investoren bereits auf der Suche nach Mietern seien. „Diesmal sollte nichts schiefgehen.“ Bekanntlich verzögert sich die Bebauung des Platzes in Toplage seit Jahren.

Die Gebäude schließen die Baulücke zwischen Bahnhof und Innenstadt und hätten ein „fortschrittliches Energiekonzept“, heißt es in dem Beschluss. Für Einzelflächen soll im Kaufvertrag eine Obergrenze festgelegt werden, um die Nutzung als Einkaufszentrum zu verhindern. Nach dem Beschluss des Beirates wird der Haushalts- und Vermögensausschuss des Parlamentes über den Verkauf des Grundstück entscheiden – auf seiner ersten Sitzung nach der Wahl.