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NWZonline.de Region Bremen

Studium: „Das ist höchstens wie Karaoke“

27.05.2020

Bremen Der Opern- und Konzertsänger sowie Professor für Gesang an der Hochschule für Künste (HfK), Thomas Mohr, konzentriert sich beim Unterricht über das Internet auf die Gesangstechnik, die Fähigkeit der Stimmkontrolle. „Das muss ständig trainiert werden“, sagt der 58-Jährige. Es sei wichtig, sich zweimal pro Woche zu treffen und sei es eben übers Netz. Das sei aber kein echter Ersatz für Präsenzunterricht, sagt er. An der HfK sieht man digitales Studieren skeptisch.

Den Studierenden fehle die Anwesenheit des Lehrers und die so vermittelte Spannung. „Es ist so 50 zu 50. Manche meistern die Situation ganz gut“, sagt Mohr. Wenn etwas nicht gut läuft, hebt er die Hand. Der Schüler stoppt. Er kann ihn korrigieren, sagt er. Eine echte Interaktion mit Begleitmusikern entfällt. „Das ist höchstens wie Karaoke“, sagt Mohr. „Der Schüler übernimmt das Tempo des Begleiters.“ Minimale zeitliche Verzögerungen stellten ein immenses Problem beim Zusammenspiel dar. „Manchmal fragt man sich, ist das die Stimme oder ein Geräusch des Mikros?“, sagt er.

Für eine Hochschule für Künste sei es viel schwieriger, die Lehre ins Digitale zu verlagern als für andere Hochschulen, sagt Andrea Sick, Professorin für Medien- und Kulturtheorie im Fachbereich Kunst und Design an der HfK. „Eine Kunsthochschule ist angewiesen auf Anwesenheit, etwa bei der Arbeit in Werkstätten, bei der Installation von Arbeiten, bei der Präsentation von künstlerischen Arbeiten“, so Sick weiter. „Das Angebot jetzt ist ein ganz anderes. Das ist nicht auf Dauer erstrebenswert.“ Anders als sonst werden in manchen Lehrveranstaltungen so auch nicht große, semesterübergreifende Projekte von jedem entwickelt. „So arbeiten die Studierenden eher an kleineren Ideen, experimentieren und bauen so eine Art Archiv auf“, sagt Sick. „Solch kleine Experimente können etwa ein experimenteller Text, eine Software oder auch eine Idee für einen künstlerischen Apparat, Zeichnungen, Konzepte oder Audioaufnahmen und Filmsnips sein.“

Sie beschreibt die Arbeit in der digitalen Sphäre als mühsam und erschöpfend, obwohl es auch dabei intensive Momente des Lernens gäbe. „Bei digitaler Kommunikation kann sich viel Unterschwelliges und Missverständliches einschleichen, die Konzentration kann durch einen Klick gestört werden.“ Es fehle die Atmosphäre des Zusammentreffens, was die Findung gemeinsamer Ideen erschwere. Durch den Ausbau des Streamings könne die HfK aber zukünftig durchaus Angebote für Menschen bieten, die nicht in die Hochschule kommen könnten.

Hannah Lohwitz (23) studiert im zweiten Semester Integriertes Design. Sie hat eine Fotokamera, weil sie vorher eine Ausbildung in Kommunikationsdesign gemacht hat. Für den Kurs „Fotografisches Modedesign“ hat sie ein Fotostudio daheim im Schrank eingerichtet. Andere haben im Gegensatz zu ihr nur Handys. Zur Lösung dieses Problems hat die HfK jedoch einen finanziellen Spielraum für Technik zum Verleihen erhalten. Lohwitz sagt: „Die Lehre der HfK funktioniert nicht online, aber einiges geht.“

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