BREMEN - An 600 Orten steht das Koffeingetränk im Mittelpunkt. Für das wohltätige Projekt „Pan y Arte“ gab’s Geld.

Von Thomas Kuzaj

BREMEN - Frisch gemahlen, frisch aufgebrüht – so mögen die Bremer ihren Kaffee. Auf dem Marktplatz kam gestern noch „frisch geröstet“ hinzu. Die kleine Röstmaschine wurde ständig von Neugierigen umringt. Erstmals wurde – wie zeitgleich in 600 Städten und Gemeinden – der „Tag des Kaffees“ gefeiert.

Die Hafenstadt Bremen ist eine klassische Kaffeestadt. Die einzig wahre Kaffeestadt, wenn man traditionsbewusste Bremer fragt. Der koffeinfreie Kaffee wurde hier erfunden, Jacobs wuchs hier zur Marke – um nur zwei Beispiele zu nennen. Gestern präsentierte Bremen sich als große Kaffee-Werbestadt. Schaufensterdekorationen in der Innenstadt, Interviews und Musik auf dem Marktplatz, Andrang in den Ausstellungszelten – die Initiatoren vom Deutschen Kaffeeverband (Sitz: Hamburg) konnten sich freuen.

Luise Scherf zählte zu jenen, die auf der Marktplatz-Bühne zum Thema Kaffee befragt wurden. Sie antwortete sogar singend, stimmte den berühmten Mozart-Kanon an: „C, a, f, f, e, e, trink nicht zu viel Kaffee“ – ein Text, der gestern nun gerade nicht wörtlich genommen werden sollte. Schon gar nicht am Nachmittag im Schnoor, wo Luise Scherf Patin einer großen Freiluft-Kaffeetafel war. Ausgeschenkt wurde dort für einen guten Zweck. Die Einnahmen gingen an das Projekt „Pan y Arte“, das im Kaffeeanbauland Nicaragua Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Henning Scherf hat inzwischen den Vereinsvorsitz bei „Pan y Arte“ übernommen. Er kennt Nicaragua, seine Frau Luise Scherf auch: „Bei uns ist Kaffee ein Lifestyle-Getränk, dort ist er eine der wenigen soliden Einkommensquellen.“

Zurück nach Bremen: Kaffeeduft allerorten – auch in der Böttcherstraße, die Mäzen und HAG-Erfinder Ludwig Roselius quasi mit Kaffeegeld finanzierte. Bei Thalia an der Obernstraße gab Rolf Sauerbier, früher Jacobs-Sprecher, eine Kaffee-Lesung. Dazu kam der Bremer Verleger Horst Temmen, der mit Sauerbier ein gemeinsames Projekt plant – den Verkauf hochwertiger Kaffeesorten über den Buchhandel: als „Geschenk zum Buch“.