BREMEN - Leistung und Anstrengung kann nicht schaden. Davon ist Josef Kraus überzeugt. Der Oberstudiendirektor, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Autor der Streitschrift „Ist die Bildung noch zu retten?“, war einer der Gäste beim „Rotary-Tag“ in den Räumen der Jacobs University. Mehr als 200 Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet diskutierten dort zum zweiten Mal in Foren und Workshops über Werte, Wertevermittlung und Ethik.
Die 1905 in den USA gegründeten Rotarier verstünden sich auch heute noch als „Vermittler von Werten“, sagte Peter Möller aus Stuhr, Governor des gastgebenden Rotary Districts 1850. Angesichts der Globalisierung sei es an der Zeit, neben den zehn Geboten, die die westlichen Gesellschaften über Jahrhunderte geprägt hätten, auch andere Werte zuzulassen. Möller ging sogar noch ein Stück weiter. Es stünde der Gesellschaft gut an, „die eigenen Werte in Frage zu stellen“, aber auch „so viel möglich von den eigenen Werten zu erhalten“.
Das alles zu vermitteln, sei vor allem Aufgabe der Eltern, waren sich die Teilnehmer mehrerer Diskussionsrunden einig. Dabei vertrat Prof. Dr. Gerhard Roth, Neurobiologe der Uni Bremen, die These, dass dies in erster Linie bis zum zehnten Lebensjahr geschehe. Danach verändere sich der Mensch nicht mehr wesentlich. In derselben Diskussionsrunde vertrat Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, die Überzeugung, dass es in Sachen Wertevermittlung mit Gott eine noch höhere Instanz als die Eltern gebe.
Oberstudiendirektor Kraus wollte die Verantwortung nicht auf staatliche Institutionen abschieben. Er erinnerte die Besucher an Artikel 6 des Grundgesetzes: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
Kraus erteilte der „Erleichterungs- und Wohlfühlpädagogik“ eine klare Absage. Sie führe dazu, dass die jungen Menschen nicht mehr über einen Grundbestand an Wissen verfügten, sondern sich alles im Internet „ergoogeln“. Eigenverantwortung sei gefragt.
