BREMEN - Seit der Uraufführung von Yasmina Rezas Boulevardstück „Kunst“ in Paris 1994 avancierte die Komödie zum absoluten Welterfolg. Auch bei der Premiere im Packhaustheater im Schnoor amüsierte sich das Publikum bestens und dankte es den drei Darstellern mit lang anhaltendem Applaus.
Nur ein rotes Sofa
Auf der Bühne stehen nicht mehr als ein rotes Sofa sowie rechts und links ein Stuhl, als sich der Vorhang öffnet. Es ist das spartanisch eingerichtete Wohnzimmer von Serge (Hermann Toelcke), der eines Abends seine beiden langjährigen Freunde Marc (Nicolas König) und Yvan (Joshy Peters) bei sich empfängt. Die drei Männer wollen mal wieder einen netten Abend zusammen verbringen, gäbe es da nicht dieses weiße Bild: „Mein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein Ölgemälde von etwa 1,60 Meter auf 1,20 Meter. Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift, kann man feine weiße Querstreifen erkennen“, erklärt Marc, bevor das Stück beginnt.
Marc ist ein Pragmatiker, der nicht begreifen kann, wie sein Freund Serge – ein sensibler Kunstliebhaber – sich für solch eine „weiße Scheiße“ begeistern und dafür obendrein 200 000 Euro bezahlen kann. Die Diskussion über den (Un)Sinn des weißen Gemäldes artet bald in einen handfesten Streit zwischen den beiden Männern aus, in dem deutlich wird, dass es weniger um das Bild als um die charakterlichen Eigenarten des jeweils anderen geht: „...und genau das ist es, was mich in letzter Zeit von dir so entfremdet hat – dein ständiger Argwohn!“, brüllt Serge Marc irgendwann an.
Wahre Freundschaft
Zwischen den beiden Männer steht Yvan, ein harmloser und liebenswürdiger Kerl, der es allen recht machen will. Anfangs versucht er noch zwischen den beiden Freunden zu vermitteln: „Was ist geschehen mit Euch? Es muss doch etwas geschehen sein, dass ihr so seid!?“. Bald reißt aber auch Yvans Geduldfaden und der Abend unter den Freunden entwickelt sich zu einem Fiasko.
Schnell stellt sich heraus, dass es in „Kunst“ weniger darum geht, die Mechanismen des modernen Kunstbetriebs ad absurdum zu führen als viel mehr dem Wesen wahrer Freundschaft auf den Grund zu gehen. Witzige Dialoge, hervorragende Darsteller und eine psychologisch fein gezeichnete Analyse von drei Großstadtneurotikern ergeben einen originellen und äußerst humorvollen Theaterabend.
