BREMEN - Gibt es noch ein glückliches Ende? Die Übernahme des Packhauses im Schnoor durch den Investor Rolf Specht (Residenz-Gruppe) steht vor dem Scheitern. Nach mehr als 30 Jahren könnte damit die Geschichte des Packhaustheaters enden.

Erster Akt. Im Dezember vergangenen Jahres entschloss sich Specht, die sanierungsbedürftige Immobilie zu kaufen, von der Bremen sich trennen will, weil es eine Sanierung gar nicht bezahlen könnte. Über die Gesellschaft „Immobilien Bremen“ forderte die Stadt mindestens 650 000 Euro.

Specht war bereit, diese Summe zu zahlen – und eine Bedingung zu erfüllen, nämlich: die Tradition des Theaters fortzuführen. Eine künstlerische Nutzung ist im Bebauungsplan des Schnoors festgeschrieben. Künstlerischer Leiter sollte der Schauspieler, Moderator und Regisseur Dirk Böhling (Radio Bremen) werden.

Specht erklärte, die viergeschossige Immobilie mit 1 300 Quadratmetern Nutzfläche und 864 Quadratmetern Grundstück für etwa 900 000 Euro zu sanieren. Es gab einen Kaufvertrag, der nur noch unterschrieben werden musste. Und muss.

Zweiter Akt. Plötzlich kamen Probleme ans Licht, die in der Anfangseuphorie – gelungener Verkauf und gleichzeitig Erhalt des Theaters, das dem Schnoor und damit auch dessen Gastronomie jährlich etwa 30 000 Besucher garantiert – nicht aufgefallen waren.

Gastronomie gibt es auch im Packhaus. Der Pächter nutzte eine Option, seinen Vertrag um vier Jahre zu verlängern. Die Stadt kündigte ihm, nun liegt der Fall vor Gericht – Einigung nicht in Sicht. „Für jemanden, der eine Immobilie übernimmt, ist es natürlich unsäglich, in so einen Streit reinzukommen“, so Specht gestern.

Dass Asbest im Haus sein würde, war bekannt. Aber nicht, dass es so viel ist. Zudem fand ein von Specht eingesetzter Gutachter heraus, dass Dämmstoffe für Akustik und Dach „krebserregender Natur“ sind.

Und dann beschäftigte sich der Gutachter noch mit dem Brandschutz – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen, wie gestern erklärt wurde. Nicht nur, dass die Fluchtwege zu schmal sind. Problematisch ist vor allem die Brandschutzwand zum Nachbargebäude, dem „Bremer Geschichtenhaus“: „Sie entspricht nicht den Brandschutzauflagen.“ Das liege unter anderem an Erkern, die das Nachbargebäude beim Ausbau vor einigen Jahren bekommen hatte. Wieso all das genehmigt wurde, kann der Gutachter natürlich nicht wissen. Was jetzt zu tun ist, weiß er aber auch nicht: „Es ist uns noch keine Lösung eingefallen.“

Dritter Akt. Welche Lösung auch immer es gibt – für Investor Specht ist klar, dass weitere Zeit verstreichen wird. Eine erste Premiere unter Böhlings Leitung wäre bis zum Jahresende nicht zu machen – „angesichts der Vielzahl der Probleme“. Alles sei „unglücklich gelaufen“, so Specht. Mit Schuldzuweisungen komme man „auch nicht weiter“. Bei „so einem Brandschutzproblem“ könne die Immobilie nicht 650 000 Euro kosten: „Es ist im Moment ein Fass ohne Boden. Ein Abenteuer, das man nicht eingehen kann.“

Was tun? Das ist jetzt die Frage. Specht: „Wir werden Gespräche mit ‚Immobilien Bremen‘ führen und gucken.“ Ende offen.