BREMEN - Die Dialoge sitzen. Doch die Kulisse fordert Fantasie. Am Weserstrand beim Café Sand spielt das Ensemble der Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“ kleine Szenen aus ihrem neuen Stück „Die verlorenen Söhne“ für die Journalisten. Walfänger sind im Packeis vor Grönland eingeschlossen. Derweil entledigen sich zwei kleine Buttjer ihrer Klamotten und füllen ihre Gießkännchen mit Weserwasser. Life is live.

Die Theatergruppe aus Schiffdorf bei Bremerhaven hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Ereignisse an historischen Schauplätzen zu inszenieren. Im neuen Stück erzählt Autor und Regisseur Jens-Erwin Siemssen die Geschichte von zwei jungen Spiekeroogern, die 1770 zum Walfang nach Grönland ausfahren, auf der Jagd nach dem „fettigen Gold“ im Eismeer stranden, bei den Inuit auf Grönland überwintern, nach drei Jahren in die Heimat zurückkehren und schließlich ihre treuen Bräute heiraten.

„Die Inszenierung bringt die Geschichte an ihren Ursprung zurück“, sagt Siemssen. Das „Kleinod“ spielt das Theaterstück unter anderem auf Spiekeroog und auf Grönland. Auf der ostfriesischen Insel dient jener alte Strandkorbschuppen als Spielstätte, in dem noch bis 1948 das plattdeutsche Heimatspiel „De verloorne Söhns“ aufgeführt wurde, das Siems als Vorlage nutzt. Und auf der größten Insel der Erde spielt das sechsköpfige „Kleinod“-Ensemble im Kolonialhafen von Nuuk und in einer alten Wal-Speckhalle auf der Insel Uummannaq. Außerdem sind Aufführungen in Bremerhaven und Cuxhaven geplant.

Das 78-minütige Stück erzählt auch von der Begegnung zweier Kulturen im Eismeer, sagt der Regisseur. Darum auch hat das „Kleinod“ zwei Schauspielerinnen aus Grönland mit ins Boot geholt. Und darum auch wird in dem Stück mal plattdeutsch, mal hochdeutsch, häufig grönländisch und dänisch gesprochen.

Das Bühnenbild wiederum wird auf das Wesentliche reduziert. Es besteht aus hölzernen Tranfässern, Segeln und Tauen.

Das Schicksal der beiden jungen Seeleute Gerd und Eim sowie ihrer zurückgelassenen Bräute Theda und Antje bewegt bis heute die Einwohner Spiekeroogs. Aus der Legende ist die Tradition des „Wurstlopens“ hervorgegangen. Dabei laufen alljährlich im Januar als Braut und Bräutigam verkleidete Kinder von Haus zu Haus, um symbolisch Geld für die beiden Heimkehrer zu sammeln. In der Kollekte landen Geld, Süßigkeiten sowie die eine oder andere Dauerwurst.

Das Stück „Die verlorenen Söhne“ feiert am Sonnabend, 8. Mai, um 21 Uhr im Strandkorbschuppen auf Spiekeroog seine Premiere. Auf der Insel folgen bis Sonntag, 23. Mai, weitere 15 Vorstellungen. Von Mittwoch, 26. Mai, bis Sonnabend, 29. Mai, spielt das „Kleinod“ jeweils um 21 Uhr in der Strako-Stahlbauhalle an der Grönlandstraße 3 in Bremerhaven. Von Mittwoch, 2. Juni, bis Sonnabend, 5. Juni, stehen Aufführungen in der „Nordsee“-Kantine in Cuxhaven auf dem Spielplan. Und Mitte Juni geht’s dann nach Grönland. Eintrittskarten gibt es bei der Theatergruppe unter Telefon 04749/10 25 64 sowie im Künstlerhaus Spiekeroog unter Telefon 04976/70 62 720.