BREMEN - Auf dem Torfkahn ist es von Worpswede nach Bremen eine Tagesreise. 19 dieser historischen Eichenholzboote nahmen am Wochenende diese Tour auf sich – Sonnabend hin, Sonntag zurück.

Leicht bläht sich das braune Segel im sanften Wind. Nur das monotone Geräusch des Motors verrät, wer hier eigentlich das Boot antreibt. Im gemütlichen Tempo, kaum schneller als Fußgänger und Radfahrer am Ufer, tuckern 19 Torfkähne über den Bremer Kuhgraben. Ihr Ziel: Der Torfhafen im Stadtteil Findorff, wo hunderte Schaulustige auf die Flotte warten. Gestartet waren die Eichenholzboote am Morgen in Worpswede.

„Um halb sechs hat der Wecker geklingelt“, sagt Skipper Martin Brünjes, der nicht so wirkt, als würde ihm das etwas ausmachen. Fast 30 Kilometer sind es auf dem Wasserweg vom idyllischen Anleger Neu-Helgoland im Teufelsmoor nach Bremen, inklusive Schleusen neun Stunden Fahrt mit dem Torfkahn.

Früher sei man hin und zurück gut und gern drei Tage unterwegs gewesen, sagt Brünjes, der den Kahn „Us Heinz“ fährt. „Das war damals richtige Handarbeit.“ Wind und Tide bestimmten, wie schnell es vorwärts ging. Und wenn das nicht reichte, mussten zum Beispiel die Frauen vom Ufer aus nachhelfen und den Kahn ziehen – „treideln“, wie das im Fachjargon heißt.

Die alle drei Jahre auslaufende Armada will an die historische Torfschifffahrt erinnern, als die Bauern das Heizmaterial per Segelboot nach Bremen brachten. Gestapelter Torf auf den Kähnen beschwört das Bild von damals herauf, ebenso der Dresscode: Schwarze Cordhose und -weste über blau-weiß gestreiftem Hemd für den Herrn, Schürzenkleid, Haube und Holzpantoletten für die Dame.

Heute werden die mittlerweile motorisierten Torfkähne nur noch touristisch genutzt. Bis zu 16 Ausflügler können auf einem Boot durchs Teufelsmoor schippern. Im August 2008 war ein Kahn nach einer Rundfahrt auf der Hamme gekentert. Dabei war eine 70-Jährige ums Leben gekommen, mehrere Frauen wurden verletzt. Seitdem seien die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht worden, sagt Karsten Schöpfer von der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser. Schwimmkissen, Feuerlöscher, Rettungsring und Auftriebmittel am Boot gehörten jetzt zum Inventar.

Im Jahr nach dem Unglück ist erst einmal Flaute bei den Rundfahrten gewesen. Nach finanziellen Einbußen hat sich die Torfschifffahrt 2010 wieder berappelt. „Sie hat einfach einen hohen Stellenwert im Landkreis“, sagt Brünjes.