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Umbau: Keine Einigung über die Brill-Bauten

23.06.2020

Bremen Das war‘s. Aus! Vorbei! Auf dem Sparkassen-Areal an der Brill-Kreuzung entsteht kein Neubau. Das haben die Investoren Pinchas und Samuel Schapira, die das Sparkassen-Grundstück übernehmen, entschieden und am Montag mitgeteilt. Nach langem Hin und Her zwischen Stadt und Investoren sind damit die Brill-Entwürfe des US-Stararchitekten Daniel Libeskind „definitiv vom Tisch“, wie ein Sprecher es formulierte. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) bedauert die Entwicklung.

Für die Neugestaltung der Bremer Innenstadt ist die Schapira-Entscheidung ein Rückschlag. „Wir hätten am Brill gerne ein Leuchtturmprojekt mit großer Strahlkraft über die Bremer Landesgrenzen hinaus realisiert. Wir akzeptieren und respektieren jedoch die Entscheidung der Stadt“, erklärten die Brüder Schapira.

Denn die Stadt, die hatte sich von den Schapira-Plänen abgewandt – schon während der rot-grün-roten Koalitionsverhandlungen vor einem Jahr. Eine Piazza und vier ovale und begrünte Türme hatte Libeskind für das 11 000-Quadratmeter-Areal vorgeschlagen. Gerade wegen ihrer Dimension hatten diese Pläne für sehr kontroverse Diskussionen gesorgt.

Libeskinds Türme sollten unterschiedlich hoch sein und symbolisch für die vier Bremer Stadtmusikanten stehen. Der höchste Turm war im Entwurf nur zwei Meter niedriger als der Dom (98 Meter). Die Dom-Höhe gilt in Bremen seit Jahrzehnten als architektonische und stadtplanerische Richtschnur.

Und so war es von Beginn an auch eine Flächendiskussion. Was ist angemessen für die Stadtsilhouette? Das war die Frage. Vor einem Jahr einigten SPD, Grüne und Linke sich in ihren damaligen Koalitionsgesprächen darauf, dass am Brill deutlich kleiner gebaut werden soll. Der Bau müsse sich in das Gesamtbild der Stadt einfügen, hieß es. Auch ein Architekturwettbewerb sei denkbar, Daniel Libeskind könne sich daran ja beteiligen. Als die Sparkasse, die im Oktober in ihren Verwaltungs-Neubau im Technologiepark zieht, das Areal verkaufte, galt eine Bruttogeschossfläche von 42 000 Quadratmetern als städtebaulich vertretbar.

Ergebnis eines anschließenden Wettbewerbs war, dass 48 000 Quadratmeter als gerade noch tolerabel galten. Die im April vorigen Jahres präsentierten Libeskind-Entwürfe aber hatten eine Bruttogeschossfläche von 72 000 Quadratmetern. Nach der Koalitionsbildung kam weiterer Schwung in das Bruttogeschossflächen-Gefeilsche hinter den Kulissen. Bausenatorin Schaefer schrieb an die Investoren, Funkstille folgte. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) intervenierte. Er traf sich in Hamburg mit den Schapiras, ohne Schaefer zuvor einzuweihen. Die Sache kam wieder in Gang, die Investoren legten einen neuen Entwurf vor – Bruttogeschossfläche jetzt: 56 000 Quadratmeter. An der Ecke Faulen-/Hankenstraße sollte ein 16-stöckiger Bau entstehen. Vor etwa vier Wochen schrieben Bovenschulte, Schaefer und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) an die Schapiras, wiesen noch einmal auf die städtebaulichen Vorgaben hin und gaben ihrer Vorfreude auf weitere konstruktive Gespräche Ausdruck.

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Die Antwort kam am Montag via Mitteilung an die Presse: „Aus Investorensicht ist ein Rückbau der Bestandsgebäude mit anschließender Wiederherstellung von Baukörpern ähnlicher Größe bei den zu erwartenden Gesamtkosten unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht vertretbar.“ Nach einer Sanierung werde man dort vorwiegend Büroflächen vermieten.

Der „mutige“ Libeskind-Entwurf hätte weiterentwickelt werden müssen, kommentierte die oppositionelle CDU. Die Entwicklung sei enttäuschend, so der CDU-Abgeordnete Heiko Strohmann. „Der Senat hat durch seine Mutlosigkeit dieses Leuchtturmprojekt für Bremen verhindert“, kritisierte Thore Schäck von der FDP.

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