Bremen - Gut ein Jahr, nachdem eine 41-jährige Frau eine Gasexplosion verursacht und sich, ihren siebenjährigen Sohn und ihre 70-jährige Nachbarin mit in den Tod gerissen hat, ist in der Kirchseelter Straße in Huchting der Alltag eingekehrt. Am Explosionsort sprießt auf weißem Sand etwas Gestrüpp. Dort standen bis zum Sommer 2018 zwei Reihenhäuser.

Die beiden Häuser gibt es nicht mehr. Stattdessen: eine leere Fläche. Bei den umstehenden drei Häusern in der Reihe ist alles repariert. Im Haus direkt hinter der freien Fläche wohnt Martina Radetzky (63). Mittlerweile sind die Ereignisse in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 2018 kein Thema mehr unter den Nachbarn, sagt sie. Vor ein paar Wochen, also ein Jahr nach der Explosion, habe man allerdings schon mehrfach darüber gesprochen, sonst kaum. „Ich werde aber immer noch jeden Tag damit konfrontiert. Ich gehe ja immer wieder an der Stelle vorbei“, sagt Radetzky.

Aufgrund der schweren Beschädigungen mussten sie und ihr Mann Manfred das Haus für eine ganze Weile räumen. „Es hat über ein halbes Jahr, fast ein dreiviertel Jahr gedauert, bis an unserem Haus alles repariert war“, sagt sie. Das meiste hätten die Versicherungen bezahlt. Angela (57), die zwei Reihenhäuser weiter wohnt, vermisst die bei der Explosion umgekommene Seniorin. „Ich mochte sie. Sie stand noch voll im Leben.“ Auch sie sagt, dass inzwischen Ruhe eingekehrt ist. „Es ist dennoch unvorstellbar, was da passiert ist.“

Gegenüber dem Explosionsort auf der anderen Straßenseite wohnt Renate Lux (76). Sie hat tief geschlafen, als sich am 28. Juni 2018 um 4.35 die Gasexplosion ereignete. Darum hat sie davon zunächst nichts mitbekommen. „Meine Schwiegertochter hat angerufen. Die wohnt in der Häuserreihe hinter uns“, sagt Lux. „Sie hat die hohen Flammen gesehen und gedacht, dass es bei uns brennt.“ Sie habe dann aus dem Fenster geschaut und das Feuer gesehen. Dann habe sie sich sofort angezogen und sei rausgegangen. „Wir hatten Angst vor weiteren Gasexplosionen“, sagt sie. Die blieben aber aus – zum Glück. Ein paar Schäden habe es in ihrem Haushalt gegeben. Unter anderem sei die Tür ihres Wintergartens zerstört worden.

Lux kannte die drei Toten. „Mein Enkelkind ist mit dem Jungen zusammen zur Schule gegangen. Man hat sich natürlich auch mal auf der Straße gesehen“, erzählt sie. Lux wohnt schon seit 1970 hier. „Normal ist es hier sehr ruhig, abgesehen vom Durchgangsverkehr, den es hier wegen des nahen Roland-Centers gibt.“ Dieses Bild gibt die Kirchseelter Straße auch heute ab. Hin und wieder fahren Autos und Radfahrer durch. Der Explosionsort sieht aus wie freies Bauland.

Die Anwohnern erwarten einen baldigen Neubau am Unglücksort durch die Besitzer der Grundstücke. Von Neubauten geht man auch bei der Bremer Baubehörde aus, wie es auf Nachfrage hieß.