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NWZonline.de Region Bremen

Wo Bienenstöcke verkabelt werden

20.07.2018

Bremen Das Bremer Uni-Projekt „Bee Observer“ ist ein ganz besonderes: Es will dem Bienenschwund begegnen. Und es ist ein bundesweites Vorhaben der Bürgerwissenschaft. Seit Jahresbeginn wird es vom Bundesforschungsministerium gefördert. Messtechnik in Bienenstöcken soll wertvolle Daten liefern.

Der Wissenschaftler Thorsten Kluß hebt vorsichtig den Deckel eines Bienenstocks. Zehn dieser Bienenstöcke stehen in einer Reihe, in unmittelbarer Nähe zu seinem Büro. Sie sind Teil eines außergewöhnlichen Forschungsprojekts: Die Bienenbeuten, wie Imker die Behausungen nennen, sollen mit Sensoren ausgestattet werden, um wertvolle Daten über den Zustand im Inneren zu gewinnen. „Wir sind gerade dabei, eine neue Generation von Sensorik auszuprobieren“, erläutert Kluß den Stand des Projekts „Bee Observer“. Wenn alles nach Plan läuft, werden noch in diesem Jahr die ersten Imker ein von den Forschern entwickeltes Technikpaket erhalten, das sie in ihren Bienenstöcken einbauen können.

Wie die mit der Messtechnik möglichen Tests aussehen können, sieht man schon jetzt an der Uni: Jeder Bienenstock steht auf einer Waage. Wenige Kabel führen aus dem Gehäuse heraus und münden in eine kleine Plastikbox, die am Gestell jeder Behausung angebracht ist. Darin befindet sich ein Minicomputer, der die Messdaten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Akustik und der Luftströmung erfasst. „Der Minicomputer verwaltet für uns die Datenaufzeichnung“, sagt Kluß.

Der Bienenschwund ist inzwischen ein bekanntes Problem: Monokulturen und Pestizideinsatz gefährden Bienenvölker ebenso wie die Varroamilbe und andere Parasiten. Es sind viele Faktoren, die auf die Gesundheit eines Bienenvolkes einwirken.

Ursache und Wirkung sind auch für erfahrene Imker oft nicht eindeutig zu klären. Hier setzt das Projekt „Bee Observer“ an: Messwerte sollen erfasst und zueinander in Beziehung gesetzt werden – und zwar durch „schlaue Algorithmen“, die diese komplexen Datenströme verarbeiten.

„Wenn ich die Daten fusioniere, kann ich Aussagen treffen zum Zustand des Bienenvolks, über Krankheiten und Aktivitäten“, sagt der Projektleiter. Und: „Wir können die Bienenaktivitäten ohne störende Eingriffe erforschen.“ Denn jedes Öffnen des Bienenstocks stellt eine Belastung für die Bienen dar, weil es zu einer Veränderung des Mikroklimas führt.

Das Projekt setzt auf Beteiligung der Bevölkerung und gemeinsames Forschen. Als sogenanntes „Citizen-Science-Projekt“ (Bürgerwissenschaft) wird es für drei Jahre vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das heißt: Wissenschaftler arbeiten explizit mit Bürgern zusammen.

Bei „Bee Observer“ sind Imker ebenso im Boot wie die sogenannte Maker-Szene. „Das sind Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, die sich aus reinem Enthusiasmus heraus zusammenfinden und ihr Know-how einbringen.“

Damit es auch viele Menschen gibt, die die Informationen abrufen und tatkräftig umsetzen, wurde bereits bei der Entwicklung darauf geachtet, dass die Komponenten erschwinglich sind.

Ziel soll auch eine App sein, die dem Imker Daten über seinen Bienenstock liefert und eben auch Dateninterpretationen, so Kluß.

Die Idee hat er inzwischen auch in einigen Imkervereinen vorgestellt.

Gibt es dort Berührungsängste? Keine Spur, sagt Wissenschafter Thorsten Kluß: „Den Imkern geht es einfach darum, die Bedingungen für die Bienen immer weiter zu verbessern.“

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