BREMEN - „Wie werde ich glücklich?“ Fast 3,9 Millionen Google-Einträge liefert diese Frage. Die Suche nach dem Glück ist populär, und Bremer Glücksforscher liefern die Fakten dazu.
„Glück kann man nicht kaufen“, sagt der Volksmund. „Falsch“, sagt der Soziologe Jan Delhey von der Bremer Jacobs University. Kürzlich hat er mit einem Kollegen eine Studie zur Ungleichheit von Glück in einer Gesellschaft abgeschlossen, wobei für Soziologen der Gradmesser die Lebenszufriedenheit der Menschen ist.
In seiner Untersuchung fand Delhey einen engen Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück: Wer mehr hat, äußert sich zufriedener über sein Leben als der mit weniger Mitteln. Allerdings nimmt die Bedeutung von Geld mit dem Wohlstandniveau einer Gesellschaft ab. In reichen Ländern definiert sich Glück weniger stark über materiellen Besitz als in ärmeren.
Bei seinen Studien kam auch heraus, dass die Glücksungleichheit in reichen Gesellschaften geringer ausfällt als in armen. „Auf einem höheren Wohlstandsniveau ist das Leben durchaus für viele relativ erträglich“, so Delhey. Kein Wunder sei also, dass im weltweiten „World Value Survey“ immer wieder Länder wie Dänemark oder die Schweiz führen.
Auch Hilke Brockmann, ebenfalls Soziologin, forscht am Glück – oder Arvid Kappas, Psychologe, der die Emotionen der Menschen untersucht. Mit fünf anderen Soziologen, Ökonomen und Psychologen haben sie sich zur „Happiness Research Group“ zusammengeschlossen. Unter dem gemeinsamen Label haben Delhey und Brockmann 2008 eine erste Konferenz zur Dynamik von Glück veranstaltet. Im Januar 2011 folgt nun die zweite Tagung. Thema diesmal: „Ist mehr immer besser?“ „Ist es nicht“, sagt Brockmann.
Sie untersucht unter anderem das Glück der Chinesen. Das Land erlebt einen rasanten Wirtschaftsaufschwung. „Man sollte meinen, es wird alles besser – aber die Leute werden immer unglücklicher“, sagt die Wissenschaftlerin. Die Erklärung liege im Vergleich mit anderen. „Glück ist keine absolute Größe, sondern relativ.“
Nur wenige schwimmen auf der Bugwelle des Aufschwungs. Die große Mehrheit verdient zwar auch mehr als früher, der wachsende Abstand an Einkommen, aber auch an Bildung und Einfluss macht aber unzufrieden.
Arvid Kappas kann das Glück erfragen, er kann es aber auch regelrecht im Labor messen. Er legt dafür Probanden Sensoren an ihre Gesichtsmuskulatur. „Wenn ich beispielsweise frage: ,Wie war der vergangene Urlaub?‘, und der war schön, dann entspannt sich der Muskel, der die Augenbrauen zusammenzieht“, sagt er.
Die Forscher wollen mit 2,5 Millionen Euro an EU-Mitteln computergestützte Erziehungsprogramme für Kinder und junge Erwachsene entwickeln, die die Sensibilität für kulturelle Unterschiede und die Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen fördern sollen. Kappas Aufgabe ist es, zu erreichen, dass Spieler in der Auseinandersetzung mit virtuellen Personen im Computer ein Einfühlungsvermögen entwickeln, das später auf echte Begegnungen übertragbar sein sollte. Dafür wird er unter anderem messen, wie Probanden auf den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen reagieren.
