BREMEN - Die Entscheidung fiel nach einem Gespräch mit dem Chef der Klinikholding Gesundheit Nord, Diethelm Hansen: Der Chefarzt der Frauenklinik Links der Weser (LdW), Hüseyin Taylan Öney, hört auf. Er kündigt. „Ich bin nicht krank“, sagt der 63-Jährige, er hat auch keine neue Stelle.
Die Kündigung ist einfach Resignation: „Ich habe nicht den Eindruck, dass unsere Klinik ausreichend unterstützt wird.“ Dabei ist Öneys Frauenklinik äußerst erfolgreich, sie hat deutlich mehr Zulauf als andere. Und er hat einen guten Ruf. Dennoch wurden ihm wichtige medizinische Bereiche weggenommen, Pflegepersonal wurde so abgebaut, dass Öney von „Personalnotstand“ spricht.
Zuletzt wurde ihm vorgeworfen, dass er Frauen behandelt hat, die es ablehnten, in das neue „Brustzentrum“ im Klinikum Mitte zu gehen. „Ich sollte diese Patientinnen abweisen“, sagt Öney.
„Der ausgezeichnete Ruf und die anerkannte Qualität werden auch dadurch bestätigt, dass die Klinik 2010 zum neunten Mal in Folge die geburtenstärkste Klinik in der Region Bremen war“, teilt der Freundeskreis des Klinikums Links der Weser mit. Im Jahr hat es dort mehr als 2000 Geburten gegeben. In einem Brief haben 25 Ärzte des Krankenhauses Links der Weser mit Hinweis auf den Personalnotstand erklärt, sie könnten die Verantwortung für die Behandlung nicht tragen. „Das kann so nicht mehr weitergehen“, sagt LdW-Betriebsrat Roman Fabian. „Bestens ausgebildetes Pflegepersonal“ und qualifizierte Oberärzte gehen – einige schlicht zur Konkurrenz ins Umland. Gute neue Kräfte zu finden, sei derzeit sehr schwierig.
„Das Problem betrifft nicht nur die Klinik Links der Weser“, sagt der frühere Chef der dortigen Kinderklinik, Hannsjörg Bachmann, „es betrifft die kommunalen Krankenhäuser insgesamt.“ Öney sei „einer der Leistungsträger“ gewesen in der Frauenklinik. Es gebe einen „Verlust der Identifikation“ unter der neuen Führung“: Mancher, der früher engagiert gearbeitet habe, fühle sich „nicht ernst genommen“ oder „nur noch als Statist, als Zahl wahrgenommen“.
Selbstbewusste Ärzte, die sich klar äußern können, erzählten hinter vorgehaltener Hand, was intern los sei, und sagten: „Bitte meinen Namen nicht nennen.“ Eine „Kultur der Angst“ habe sich unter der „autokratischen Führung“ des Klinik-Chefs Hansen ausgebreitet. Die Folge: „Der Exodus ist beunruhigend.“ Hansen, den auch er am Anfang geschätzt habe, sei geradezu „stur, beratungsresistent“, sagt Bachmann.
Hansen selbst sagte, er „bedauere“ die Kündigung von Hüseyin Taylan Öney und wisse es zu schätzen, „wie gut er die Klinik geführt hat“. Er sei gleichzeitig zuversichtlich, einen kompetenten Nachfolger zu finden.
