BREMEN - „Jetzt geht es mir wieder gut“, sagt Manfred Ernst, der fast 22 Jahre die Geschicke des Bremer Flughafens leitete. Bis eine Kampagne ihm den Job kostete.
In einem Exklusiv-Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er erstmals, wie tief ihn die Vorwürfe verletzt haben. Vetternwirtschaft, Auffälligkeiten bei den Reisekostenabrechnungen, Unklarheiten bei Tankquittungen und dem privaten Kauf eines früheren Dienstwagens sowie Unregelmäßigkeiten bei Verträgen mit Berater Hans-Joachim K., das alles war dem langjährigen Flughafendirektor im Herbst 2008 vorgeworfen worden.
Verfahren eingestellt
Ende September nahm der 64-Jährige freiwillig seinen Hut, etwa zeitgleich berief ihn der Aufsichtsrat ab. Jetzt, Ende April, wäre Ernst ohnehin kurz nach seinem 65. Geburtstag in den Ruhestand gegangen. Von den Vorwürfen blieb praktisch nichts übrig, außer internen Kontrollabläufen, die verbessert werden müssten, wie Wirtschaftsprüfer bereits Ende November festgestellt hatten.
Es war keine Überraschung, dass die Staatsanwaltschaft vor zwei Monaten das Verfahren gegen Ernst einstellte. Und wie reagierte Ernst? „Mit Gelassenheit habe ich zur Kenntnis genommen, dass alle Vorwürfe vom Tisch sind, zweifelsfrei keine strafbaren Handlungen vorlagen“, so der Jurist. Über „das Gröbste“ ist er hinweg, sagt er über die Kampagne.
Der 64-jährige Niedersachse spricht von „Erleichterung“ und „Genugtuung“. Schwer enttäuscht ist er darüber, dass er weder vom Wirtschaftssenator noch aus dem übrigen Senat ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung gehört hat. Ernst: „Das ist doch eine Frage des menschlichen Anstands.“
Vergleich mit der Stadt
Zur Altersversorgung, die Bremen dem Ex-Flughafenchef streichen wollte, gab es inzwischen einen Vergleich, die Versorgung bleibt.
Umso stolzer ist Ernst nach der Geschichte, dass die 1947 gegründete Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) seinem Engagement hohe Anerkennung zollt. Gerade erst wurde der Ruheständler vom Interessenverband, der dem Verkehrsministerium zuarbeitet, in Nürnberg zum Ehrenvorsitzenden der Strategiekommission ernannt. Ernst: „So etwas ist in 60 Jahren ADV noch nicht vorgekommen.“
Seit Anfang 2000 hatte der Jurist die Kommission geleitet und den Wandel der ADV zum politischen Interessenverband durchgesetzt, wie Präsident Michael Eggenschwieler betonte. In seiner Laudatio hob der Hamburger Flughafenchef ausdrücklich die Kompetenz und den Einfluss Ernsts hervor.
Der frühere ADV-Präsident Walter Vill sagte: „Es gab in den vergangenen 20 Jahren kaum eine Persönlichkeit, die die ADV stärker als Manfred Ernst beeinflusst und geprägt hat.“
