BREMEN - Es gibt Themen, bei denen ältere Bremer glänzende Augen bekommen. Die große Zeit des Norddeutschen Lloyd zählt dazu. Und auch die Erinnerung an das Astoria. Um das Varieté ranken sich etliche Geschichten und Legenden. Sie sind ein Teil des nostalgischen Charmes. Ach, wenn es das Astoria noch gäbe!
Dann, ja dann feierte es in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag – sicher mit einem großen Jubiläumsprogramm und vielen Stars. Aber es gibt ja nur noch die Erinnerungen. Davon aber ganz, ganz viele. „Man könnte das Leben meines Vaters als Vorbild für eine Romanfigur nehmen“, sagt Wolfgang Fritz. Der Vater des 75-Jährigen, das war Emil Fritz (1877 bis 1954), ein abenteuerlustiger Gastwirt. Im April 1908, hatte er ein Lokal in der Katharinenstraße gepachtet.
Er baute es um und eröffnete es im Sommer als „Astoria“ wieder. Unter diesem Namen wurde es weltberühmt, wurde es zu einer Bühne für internationale Stars. Künstler, die bei Emil Fritz im Astoria auftraten, hatten es geschafft. Menschen, die mit Emil Fritz arbeiteten, hatten es nicht immer einfach.
„Wenn er einen Geschäftsführer hatte, der ihm weitaus überlegen war, dann wurde der Alte eifersüchtig“, erzählt Sohn Wolfgang Fritz. Der kannte die kleine Schwäche des großen Vaters natürlich gut. Galt es, ihm eine Idee schmackhaft zu machen, wirkte ein Argument besonders: „Papa, es ist doch genau so wie Du gesagt hast.“ Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Astoria“ zerstört – bei einem Bombenangriff im Jahr 1944. Den Namen aber vergaßen die Bremer nicht. Auch dazu gibt es natürlich eine Legende, und die geht so: Wenn sich die Schwarzmarkthändler nach Kriegsende vor einer Polizei-Razzia warnen wollten, hieß das Kennwort „Astoria“. 1950 ließ Emil Fritz sein Varieté wieder aufbauen – samt „Bodega“, „Texas-Bar“ und „Klosterkeller“. Es gab Châteaubriand und Käseigel, Nummerngirls und heiße Musik, Künstlerauftritte und viele durchgefeierte Nächte. Nach dem Tod von Emil Fritz führten Sohn Wolfgang Fritz und Witwe Elisabeth Fritz das Astoria weiter. Wolfgang Fritz stieg 1959 aus, ein Jahr nach
dem 50. Geburtstag des Hauses. Unterdessen trat das Fernsehen seinen Siegeszug an – Am Silvestertag des Jahres 1967 öffnete das Astoria zum letzten Mal.
„Unser Astoria“ heißt ein Benefizbuch, das die Journalistin Monika Felsing jetzt herausgegeben hat. Der Erlös geht an La Strada und Blaumeier – als „Nachfahren“ früherer Varietékünstler.
