Bremen - Ein kurzer Stoß mit der Lanze. Die neunjährige Lientje hat einen Ring aufgespießt. Sie führt die Lanze trotz wackliger Fortbewegung sicher. Das Grundschulkind aus Bremen reitet auf dem Esel „Sherlock“.

Insgesamt vier Mal hat Lientje die Gelegenheit dazu – und ergattert jedes Mal einen an einem Seil befestigten Ring. Der Esel wird von Denise Penning geführt, die gerade ein freiwilliges soziales Jahr beim Naturschutzbund (Nabu) Bremen absolviert. Nach Lientje nimmt die sechs Jahre alte Justine Platz auf „Sherlock“. „Toll! Wir haben auch schon in der Schule mal Eselreiten gemacht“, sagt sie und reitet vorsichtig los.

Das Eselreiten ist eine beliebte Attraktion beim zweiten Nabu-Weihnachtsmarkt auf dem Areal der Naturschützer am Vahrer Feldweg (Sebaldsbrück, zwischen Rennbahn und Schlossparkbad). Der Markt ist gut besucht. Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann geht von 2000 Besuchern aus – 1 200 mehr als beim vorigen Mal. „Zwei geschlachtete Schweine haben nicht gereicht, um den Bedarf an Würsten zu decken“, sagt er. Aber der Glühwein aus heimischen Früchten reiche aus.

Während die Erwachsenen stilvolle Töpferwaren, hergestellt von Behindertengruppen des Arbeiter-Samariter-Bundes, und von Nabu-Gruppen gefertigte feine Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände aus Naturmaterialien bestaunen, machen die Kinder eine echte Naturerfahrung: „Das Reiten auf dem Esel heißt mitunter auch zu erleben, dass er manchmal nicht möchte. Manchmal heißt das auch eine halbe Stunde Pause“, sagt Annette Siegert, Umweltpädagogin beim Bremer Nabu. Gemeinsam mit anderen ist sie zuständig für eine ganze Reihe von Geschicklichkeitsspielen aus Natur- und Recyclingmaterialien. „Außerdem verbringen die Kinder Zeit im Freien, was sie sonst oft nicht mehr tun.“

So gibt es das „Gaucho-Werfen“, wobei Seile mit zwei zylinderartigen Gewichten an den Enden so auf eine Leiter geworfen werden, dass sie möglichst an einer Sprosse baumeln bleiben. Am Nachbarstand wird geschossen. Abgesägte Luftpumpen liegen bereit. Kurz einen alten Korken aufsetzen, etwas drehen und drücken, dann schnell und mit viel Kraft pumpen.

Es ploppt. Der Korken fliegt in Richtung mehrerer hochgeklappter Bretter. Ein Plopp, danach ein Klappern. Eines der Bretter klappt nach hinten. Die neunjährige Charlotte aus Bremen grinst zufrieden. Sie hat ihren dritten Treffer gelandet. „Das ist nicht einfach. Man muss schon gut zielen“, sagt sie. Der Erlös des Tages soll in die 30 000 Quadratmeter große Anlage am Vahrer Feldweg fließen.