Bremen - In Bremen liegen die durchschnittlichen Verdienste weiterhin auf hohem Niveau: So lagen die Bruttostundenlöhne 2018 im Land Bremen bei 22,59 Euro und damit über dem Bundesdurchschnitt von 21,92 Euro. Allerdings: Die Löhne steigen in Bremen weniger dynamisch als anderswo. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Arbeitnehmerkammer Bremen zur langfristigen Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen hervor.

Während die Bruttostundenlöhne bundesweit zwischen 2008 und 2018 um 9,1 Prozent zulegten, stiegen sie in Bremen nur um 5,8 Prozent.

Auffallend sei, dass die Lohnzuwächse parallel zum Rückgang der Tarifbindung im Land Bremen sinken. „Wenn die Tarifbindung innerhalb von zehn Jahren spürbar und mehr als anderswo zurückgeht und im gleichen Zeitraum die Lohnzuwächse sinken, dann ist das ein Warnsignal“, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Wir begrüßen deshalb das Ziel in dem Entwurf des Koalitionsvertrages, die Tarifbindung im Land Bremen zu stärken.“

In Bremen sind dem Bericht zufolge noch 20 Prozent der Betriebe tarifgebunden, in ihnen arbeiten 55 Prozent der Beschäftigten. Zehn Jahre zuvor waren es noch 67  Prozent aller Beschäftigten im kleinsten Bundesland.

Insbesondere Branchen wie den Einzelhandel oder die Logistik treffe es hart. Weniger als die Hälfte der Beschäftigten werde hier noch tariflich entlohnt – mit gravierenden Folgen: Im Einzelhandel verdiene eine Verkäuferin in einem nicht tarifgebundenen Betrieb bis zu einem Drittel oder 600 Euro brutto weniger, im Durchschnitt seien es 17 Prozent.

„Wenn sich so viele Betriebe aus der Tarifbindung verabschieden, brauchen wir bessere gesetzliche Möglichkeiten der Allgemeinverbindlichkeitserklärung“, sagt Schierenbeck.