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NWZonline.de Region Bremen

Kleiderordnung für den Bremer Landtag

13.06.2018

Bremen Das Foto zeigt die nackten Füße einer Frau im Sommerkleid. Mit angezogenen Beinen sitzt sie auf einem roten Sessel. Ganz schön lässig. Zu lässig, finden manche. Denn die Füße gehören der Bremer Abgeordneten Kai Wargalla, die gerade im Plenarsaal des Landtags sitzt und ein Bild davon auf Twitter postet.

Das und die luftigen Outfits anderer Volksvertreter riefen Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) auf den Plan: Eine Art Kleiderordnung soll jetzt die Würde des Bremer Parlaments retten.

Nach der Sommerpause will der Vorstand des Landtags einen Verhaltenskodex erarbeiten – dabei soll auch die angemessene Kleidung für Abgeordnete eine Rolle spielen. Doch was ist für Politiker überhaupt angemessen? In der niedersächsischen Landesregierung gibt es dafür zum Beispiel keine Vorgaben. „Es muss amts- und situationsangemessen sein“, sagt Regierungssprecherin Anke Pörksen. So zeigte sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kürzlich auf seiner Sommerreise in Jeans, hochgekrempeltem Hemd und barfuß am Strand und im Watt. Bei offiziellen Terminen trägt er dagegen klassisch Anzug.

Auch im Bundestag gibt es keinen festgeschriebenen Dresscode, nur einen Verhaltenskodex in der Hausordnung. Danach dürfen Politiker und Besucher keine Kleidung tragen, die eine Meinung bekundet. Auch in den Landtagen gibt es keine ausdrückliche Kleiderordnung. Trotzdem sorgen die Outfits von Politikern immer wieder für Furore. So bekam eine Düsseldorfer Landtagsabgeordnete 2012 Redeverbot, als sie wegen Blasen barfuß zum Rednerpult lief. Im Berliner Abgeordnetenhaus gab es Protest gegen einen Parlamentarier der damaligen Piraten-Fraktion, der Latzhose und Kopftuch zu seinem Markenzeichen machte. Auch die CSU-Politikerin Dorothee Bär musste sich schon für ihre Kleidung im Bundestag kritisieren lassen, weil sie ein FC Bayern-Trikot unter dem Blazer trug.

Die Bremer Abgeordnete Kai Wargalla kann den Ärger um ihre nackten Füße nicht nachvollziehen. „Der Respekt vor der Würde des Parlaments drückt sich nicht im fehlenden Schuhwerk aus, sondern in Taten und Worten“, meint sie. Dem kann ihr Kollegen von den Linken, Peter Erlanson, nur beipflichten. Er kam wegen der Hitze in Shorts und Gummilatschen in die Bürgerschaft. „Ein modernes Parlament will ein Abbild der Gesellschaft sein“, findet er. Da müssten auch verschiedene Menschen, Kulturen und Geschmäcker zugelassen sein.

Spätestens bis zur nächsten Bürgerschaftswahl im nächsten Jahr soll der Verhaltenskodex für die Bremer Abgeordneten fertig sein. Ob Latschen dann offiziell zum Dresscode gehören, bleibt abzuwarten.

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