BREMEN - Eine Mitarbeiterin des Bremer Jugendamtes hat jahrelang insgesamt 11 000 Euro Unterhalt für einen Jungen heimlich aus der eigenen Tasche gezahlt. Eigentlich hätte die Frau das Geld bei dem Vater des Kindes einfordern sollen. Stattdessen ließ die überlastete Sachbearbeiterin die Akte aber unbearbeitet und zahlte privat. Gestern verhandelte das Oberlandesgericht Bremen über den Fall, der bereits 2002 aufgeflogen war.
Der heute 21-jährige Sohn war überzeugt, dass sein Vater für ihn viel mehr Unterhalt gezahlt hätte als 11 000 Euro, wenn das Amt sich rechtzeitig um die inzwischen verwirkten Ansprüche gekümmert hätte. Deshalb verlangte er von der Sozialbehörde weitere 10 000 Euro. Am Ende stand ein Vergleich: Die Stadt zahlt ihm noch 3500 Euro.
Für den 21-Jährigen bestand als Kind eine Amtspflegschaft. Deshalb hätte das Jugendamt die Unterhaltszahlungen einklagen müssen. Immer wieder stand die Mutter des Jungen zwischen 1996 und 2002 vor der Tür der zuständigen Sachbearbeiterin und fragte nach dem Geld. „Die Mitarbeiterin aber war stark überlastet, der Berg vor ihr wurde immer größer“, sagte Petra Kodré, Sprecherin des Sozialressorts.
Deshalb habe die Frau in ihrer Not immer wieder Beträge aus ihrer privaten Kasse genommen. Die Mutter ging davon aus, dass das Geld vom Vater ihres Kindes stammte. Erst als die Sachbearbeiterin lange krank war, kam alles heraus.
