BREMEN - Mit manchen Themen sind die Juroren überfordert. Der Bundeswettbewerb folgt im Mai.
von jörg esser
BREMEN - Bremens Nachwuchsforscher sind spitze. In keinem anderen Bundesland ist die Quote der Teilnehmer an den Wettbewerben „Schüler experimentieren“ und „Jugend forscht“ so hoch wie im Zweistädtestaat an der Weser. Betrachtet man die absolute Teilnehmerzahl, belegt das kleine Bremen Platz sechs unter den 16 Ländern.Die „Verlässlichkeit der Organisationsstrukturen“ ist für Landeswettbewerbsleiter Hans-Helmut Dettmer ein entscheidender Vorteil Bremens. So wird der Landeswettbewerb „Jugend forscht“ seit Jahren Anfang März ausgetragen – und immer auf dem Gelände der Patenfirma EADS am Flughafen. Auf dem Firmenareal ist in diesem Jahr ein großes Zelt aufgebaut worden – für insgesamt rund 400 Nachwuchstüftler, die insgesamt mehr als 210 Arbeiten eingereicht haben und diese hier präsentieren. „Es kann passieren, dass wir Juroren austauschen müssen, weil sie mit einem Thema überfordert sind“, verrät Dettmer.
Das ist verständlich. Nehmen wir Simon Schmitt vom Kippenberg-Gymnasium. Der 18-Jährige widmet sich der Mückenjagd – im Fachgebiet Mathematik/Informatik. Die Plagegeister werden akustisch geortet (als passive Schallquellen, als Objekte, die in einem Prozess nicht mitwirken), um sich ihrer ohne umständliche nächtliche Suchaktionen entledigen zu können. Dafür hat der Gymnasiast mehrere Mikrofone im Raum postiert und über eine Recordingkarte an den Computer angeschlossen. Dann kommen Lautzeitdifferenzen, Korrelationsgraphen, deformierte Signale und ganz viele potenzielle Fehlerquellen ins Spiel. Und Kugelgleichungen mit Variablen und Parametern. Und 1,6 Millionen Multiplikationen in 50 Millisekunden. Schwere Kost. Zeitaufwendig obendrein. „Da habe ich sehr, sehr viele Ferien reininvestiert“, sagt Schmitt.
Jan Hillebrand und Rasmus Rothe sind so etwas wie Stammgäste beim „Jugend-forscht“-Wettbewerb. Rasmus hat schon einmal mit einer Tischtennisball-Maschine für Aufsehen gesorgt. Diesmal haben die beiden 16-jährigen Schüler vom Schulverbund Lesum ein standardisiertes Betriebssystem entwickelt, mit dem man jeden Roboter von überall aus steuern kann. So genannte Plugins steuern die Roboter, werten Sensoren aus und berechnen den Weg. Alle Plugins kommunizieren und kooperieren über ein „iControl“-System.
Und sonst? Meerschweinchen und Hamster sind Objekt der jungen Forscher. Es geht um Haarefärben ohne Risiko, um solarbetriebene Straßenlaternen, um stationäre Zahnpastaspender, um Milch als Klebstoff. Auf Naturnähe setzen die Jüngsten: Die beiden neunjährigen Mädchen Anne Schug und Anna-Lynn Schlund aus Schönebeck haben sich mit den Überwinterungsstrategien von Spinnen, Schnecken und Würmern im Waldboden befasst. Donnerstag werden die Sieger gekürt. Im Mai folgt der Bundeswettbewerb in Freiburg.
