BREMEN - „Sie hat 300 000 Kilometer runter, fiept bei höheren Drehzahlen, und man sieht ihr das hohe Alter kaum an“, beschreibt Ingmar Gehrmann den weißen VW Passat Baujahr ’92. Mit ihm, zwei weiteren Autos und sechs abenteuerlustigen Fahrern startet das Rallye-Team „Bremen 1“ am 2. Mai von Oberstaufen nach Amman in Jordanien. „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir keinen Spaß haben“, sagt Rallye-Teamleiter Gehrmann.

Spaß garantiert

Aber bei seiner Mannschaft dürfte Spaß ebenso garantiert sein wie jede Menge Staub und Spannung. Dafür sorgt schon das Reglement der „Allgäu-Orient-Rallye“: Maximal 666,66 Kilometer pro Tag werden gefahren, Unterkünfte dürfen nicht mehr als zehn Euro kosten, Autobahnen bleiben links liegen. Die für diese Rallye zugelassenen Autos haben entweder mindestens 20 Jahre auf dem Buckel oder sind laut Schwacke-Liste weniger als 2000 Euro wert.

Bislang beträgt der Einkaufswert der zwei Autos gerade mal 1500 Euro. Das dritte Gefährt wird in Kürze ausgesucht. Im Gegensatz zu dem hartgeprüften weißen Passat hat das schwarze Modell zwar schon ganze 22 Jahre unter der Kühlerhaube, ist aber dafür nur knapp über 50 000 Kilometer gefahren. Sein früherer Besitzer, der sich nur schweren Herzens trennte, soll ein Zielfoto von seinem Wagen erhalten.

Doch erstmal müssen insgesamt 4004 Kilometer bewältigt werden. Den Weg in die Hauptstadt des Königreichs Jordanien weist die Straßenkarte, denn Navigationssysteme sind verpönt. Gehrmann ist der einzige „Kfz-Bastler“ im Team, aber die sechs vertrauen ihren Gefährten. „Die Autos sind so einfach gebaut, die kommen an“, ist Königsmann überzeugt.

Für den Start sind neben Gehrmann und Königsmann auch Heiko Carstens, Ralf Poggensee, Katharina Bielicka und der in Paris wohnende Bremerhavener Lutz Bickhardt genannt. Alle sind beruflich selbstständig und 38 und 54 Jahre alt. „Vor allem aber sind wir abenteuer- und reiselustig“, sagt Königsmann. Viel mitnehmen müssen die sechs Starter nicht: Jeans, Ersatzbatterie und Zelt sind allerdings sicher dabei.

Treffen am 5. Mai

Die erste Etappe führt über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien in die Türkei. Am 5. und 6. Mai treffen sich dort alle 323 Teilnehmer mit ihren Pkw, Bussen oder Wohnmobilen. „Und wir werden das Zelt gegen ein richtiges Bett bei dem Maler Yusuf Bilge tauschen“, freut sich Gehrmann. Über Syrien geht es dann weiter nach Jordanien. Falls ein Auto ausfällt, dürfen die Fahrer bei ihren Teamkollegen einsteigen. Zwischendurch warten auf die Fahrer Sonderprüfungen in Palmyra, Damaskus und bei Ankunft in Jordanien.

Sponsoren können sich noch ein freies Plätzchen für ihr Firmenlogo auf den Bremer Wagen sichern. Beträge bis 200 Euro oder Tankgutscheine werden gebraucht. Was am Ende übrig bleibt, wird gespendet. Und nicht nur das. Alle Autos, die das Ziel erreichen, werden für einen guten Zweck versteigert. Sie gehen dazu nach der Ankunft in Amman in das Eigentum der UN-Hilfsorganisation World Food Programme (WFP) über. Der Erlös dient dem Aufbau einer Käserei im Wüstendorf El Rabiat. Das Gewinnerteam erhält statt Abwrackprämie ein Kamel, das ebenfalls in Amman bleibt.