Bremen - Der Mann hat Humor, das bewies er am Montagabend mehrfach beim 15. Bürgermahl in der Oberen Rathaushalle. „Soll ich hier weiter dekorativ herumstehen oder gehen wir zum Tisch?“, fragte der frühere Bundespräsident Joachim Gauck nach dem Eintrag ins Goldene Buch und dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Gauck war Ehrengast des Bürgermahls der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe (WKB). Er lobte den Bürgersinn und rief dazu auf, dieses „Kulturdenkmal“ zu fördern.

Alt-Bürgermeister Wilhelm Kaisen hätte die Bürgerhilfe gefallen, war Gauck am Ende seiner Festrede überzeugt. Er wünschte sich etwas mehr von diesem Geist, der Gegensätze nicht auslöschen wolle. Vor den gut 180 Gästen, insbesondere Helfer der WKB und Sponsoren, plauderte Gauck aus, dass seine in der Nähe von Bremen lebende Tochter im Sommer 1989 in der Oberen Rathaushalle geheiratet hat. Gauck, damals noch in der DDR lebend, war dabei. Ein paar Monate später fiel die Mauer. In eben dieser Halle wurde Wilhelm Kaisen 1952 als Bürgermeister verabschiedet. Im Oktober 1945 hatte Kaisen die heutige WKB als „Bremer Volkshilfe“ gegründet. Ein Besuch in New York auf der einen Seite, der Bauernhof in Borgfeld auf der anderen Seite. „Kaisen stand für Gegensätzliches“, so der 77-jährige Gauck.

Die Bürgerhilfe unterstütze Schwächere, nicht nur mit Geld, sondern auch mit Chancen, sagte Gauck. Er lobte das Unternehmertum, die Verantwortung für den Bürger. Wie schon Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der zugleich Vorsitzender der WKB ist, betonte Gauck, dass es Kaisen gelungen sei, unterschiedliche Milieus zusammenzubringen. Man müsse „gemeinsame Sache machen“, nicht wegschauen. Gauck: „Daran wächst man, egal, wie alt man ist.“ Beide Seiten profitierten. „Man darf sich freuen, wenn man Gutes tut“, betonte er.

Weber ehrte später Ulrich Mosel und Michael Muche für ihr besonderes Engagement bei der WKB. Und beim Bürgermahl mit Kükenragout (finanziert durch Sponsoren) wurde wieder gesammelt. 38 875,01 Euro kamen zusammen. Ein integratives Projekt für Kinder der Arbeiterwohlfahrt, ein Schülerprojekt des Paritätischen und das DRK (für ergotherapeutische Angebote) profitieren diesmal davon. Ihre Spenden bezieht die WKB zudem über das „Bremer Loch“ auf dem Marktplatz und über Haussammlungen.