BREMEN - Vollzeitbeschäftigung sei auf dem Rückzug, befristete Verträge seien die Realität. Das sagte Geschäftsführer Ingo Schierenbeck.

Von Corinna Laubach

BREMEN - Die Arbeitnehmerkammer Bremen schlägt Alarm: „Das normale Vollzeitarbeitsverhältnis befindet sich auf dem Rückzug“, beklagte Geschäftsführer Ingo Schierenbeck gestern vor Medienvertretern. Stattdessen bestimmen Minijobs, Teilzeit, Leiharbeit und befristete Verträge das Arbeitsleben. Ein Zustand, der laut Arbeitnehmerkammer nicht haltbar ist.

„Hinter dem Schleier des positiven Wirtschaftswachstums verstecken sich zu viele Minijobs“, monierte Jörg Muscheid, Referent für Wirtschaftspolitik. Allein in Bremen sei die Zahl auf aktuell 69 500 Minijobber angewachsen – 50 000 von ihnen sind reine Minijobber, der Rest hat neben seinem Vollzeitberuf noch den Zusatzjob auf 400-Euro-Basis.

Die Arbeitnehmerkammer warnt davor, dass in vielen Betrieben durch Minijobber, Teilzeit- und Leiharbeiter bereits eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit unterschiedlicher Bezahlung bei gleicher Arbeit herrsche. Nicht nur hier gelte es dagegen zu steuern, es müsse gesichert sein, dass die Menschen sich nicht in prekären Beschäftigungsverhältnissen befänden. „Prekär ist es immer dann, wenn ein Job keine langfristige, autonome und ökonomisch unabhängige Existenz sichert“, erläuterte Christiane Koch, Referentin für Arbeitsmarktpolitik.

Vor allem Frauen seien von den Minijobs betroffen. „Diese Jobs sichern weder die Existenz noch sorgen sie für Aufstiegsmöglichkeiten oder Weiterbildung“, sagte Koch, die in diesem Zusammenhang von einem Teufelskreis sprach.

„Die einst als Ausnahmeverhältnis gehandelten Modelle werden die Regel“, sagte Schierenbeck. Zeitarbeiter und Minijobber seien bei den Unternehmen beliebt, man stelle nach Bedarf und Auftragslage ein, ohne feste Verpflichtungen einzugehen. Dennoch herrscht viel Unklarheit am Arbeitsmarkt und so will die Kammer zunächst neben ihren Beratungen mit einer kleinen Veranstaltungsreihe zu Teilzeit, Minijobs und Leiharbeit aufklären. Erster Termin dafür ist Montag, 23. April. Ab 17 Uhr gibt es Kurzvorträge zum Thema.