BREMEN - Wenn man sich über einen USB-Stick für 4,99 Euro, den Exportmeister-Titel seines Landes und günstige Pauschalurlaube in der Dominikanischen Republik freuen könne, sei man Nutznießer der Globalisierung. Das sagte Professor Bert Rürup auf dem Wirtschaftsabend der Handelskammer im Schütting.
Die Unübersichtlichkeit der globalen Zusammenhänge fördere eine Zukunftsangst, die durch die Daten für Deutschland nicht gerechtfertigt sei, sagte der Wirtschaftsexperte und Regierungsberater.
Die ökonomischen Daten zeigten, dass Deutschland sich mit seinen Reformen der vergangenen Jahre gut auf die marktwirtschaftliche Situation eingestellt habe. Deutschland sei beispielsweise das einzige Industrieland der Welt, das keine Weltmarktanteile verloren habe, und die deutsche Industrie sei eine der leistungsfähigsten.
Die meisten Länder der Welt seien im Zuge der Internationalisierung der Märkte reicher geworden, so Rürup. Gleichzeitig würden allerdings weltweit vereinheitlichte Preise und überhöhte Renditeerwartungen den Wettbewerb und somit den Rationalisierungsdruck erhöhen. Das zeige sich bei den Löhnen, in der Organisation und bei den Arbeitszeiten.
Eine gute Bildung gebe die Chance, Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder sich aus ihr zu befreien, fuhr Rürup fort.
In diesem Bereich gebe es Handlungsbedarf, denn über 40 Prozent der türkischen Jugendlichen in Deutschland hätten keine Berufsausbildung, und auch die Zahl aller Hochschulbesucher läge mit 37 Prozent aller Schulabgänger in Deutschland unter dem Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Nur rund 21 Prozent aller Schulabgänger schlössen ein Universitäts- oder Hochschulstudium ab. Außerdem sei die Belegung der Natur- und Ingenieurswissenschaften mit knapp zehn Prozent deutlich zu niedrig. Hier gelte es gegenzusteuern. Ein Zentralabitur sollte außerdem einen bundesweiten Bildungsstandard sichern.
