BREMEN - Es gibt offenbar Modethemen, derer Beliebtheit man sich gar nicht bewusst ist. Ziemlich viel Rummel zum Beispiel gibt es derzeit um die Sintflut. In der Woche, in der ein führendes Wissenschaftsmagazin die historische Katastrophe auf den Titel setzte, hievte auch der TV-Sender Phoenix sie prominent ins Programm. Es muss großer Zufall sein, dass sich jetzt auch die Vortragsreihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft der Überschwemmung annahm.

„Der Mythos von der Sintflut und seine mesopotamischen Ursprünge“ hieß das Referat von Dr. Martin Lang von der Uni Innsbruck – einem Gast, der Bescheid weiß: Er habilitierte über die „Interpretation von Arche und Flut in der syro-aramäischen Tradition“. „Mir geht es heute wie den Mesopotamiern: Auch sie waren angesichts der Flut sehr erschrocken“, begann Lang seinen Vortrag. Das beweisen auch die historischen Quellen über die Mega-Flut. Drei davon stellte Lang vor – das berühmte Gilgamesch-Epos, den Atra-Hasis-Mythos und die sumerische Eridu-Genesis.

Was man heute über diese Quellen weiß, sei erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts erschlossen worden. Damals haben Wissenschaftler die für den Laien vollkommen rätselhafte Keilschrift entziffert, in der die Sagen aus dem Land zwischen Euphrat und Tigris, dem heutigen Syrien und Irak, überliefert wurden. Zahlreiche der Steintafel-Fragmente, aus denen die Uralt-Sagen rekonstruiert wurden, konnten die Zuschauer auf der Leinwand betrachten. Alle drei genannten Quellen sind spannende Überlieferungen, die aus den gleichen dramaturgischen Grundzutaten zusammengemischt wurden – und die die sich später dann wiederum auch im 1. Buch Mose der Bibel wiedergefunden hätten, wie der Tiroler Fachtheologe ausführte. So stünden die Flutprotagonisten, also Noah und seine Sagen-Brüder, stets in besonderem Verhältnis zu den Gottheiten. Eines aber blieb in dem Vortrag offen, und da half auch

beharrliches Nachfragen nichts: Wenn schon so viele Geschichten über die Sintflut kursieren, muss sie dann denn nicht auch wirklich stattgefunden haben? Lang hielt sich zurück, berichtete aber von historisch nachweisbaren kleineren Flutkatastrophen in Mesopotamien.