Bremen - Die Bremer Osterwiese darf nach einer Entscheidung von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) in diesem Jahr an Karfreitag „ausnahmsweise“ zwischen 18 und 23 Uhr öffnen. Die Schausteller hätten diese Bitte geäußert, weil der Besuch des Volksfestes durch das Orkantief „Niklas“ bereits sehr eingeschränkt worden sei, teilte das Innenressort am Mittwoch mit. In den zurückliegenden Jahren war die Osterwiese genauso wie etwa der Hamburger Dom grundsätzlich an Karfreitag geschlossen. „Ich habe es mir mit dieser Entscheidung nicht leicht gemacht, hoffe aber auf Verständnis bei den christlichen Kirchen“, sagte Mäurer.
Der stellvertretende Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, kritisierte die Entscheidung. Er habe „wenig Verständnis“ dafür, ausgerechnet an Karfreitag die Osterwiese zu öffnen. Damit werde der Schutz dieses hohen kirchlichen Feiertages aufgeweicht, der an den Kreuzestod Jesu erinnere. Überdies werde an diesem Tag der Opfer von Krieg, Terror, Natur- oder Flugzeugkatastrophen gedacht.
Er habe sehr wohl Verständnis für die Lage der Schausteller, die durch den Orkan unter Einnahmeausfällen litten, räumte Kuschnerus ein. Er hätte sich aber „kreativere Lösungen“ im Gespräch zwischen Politik, Schaustellern und Versicherern gewünscht. Auch der katholische Gemeindeverband in Bremen lehnte die Öffnung ab. „Stille Feiertage sind wichtig, weil sie Menschen und Gesellschaft innehalten lassen“, sagte Sprecherin Martina Höhns. Stattdessen hätte man prüfen können, ob die Osterwiese verlängert werden könne.
Mäurer wiederum betonte, er sei sich mit den Vertretern beider Kirchen einig, dass der Schutz des Karfreitags als stiller Feiertag von großer Bedeutung sei. Nach dem Gesetz über die Sonn- und Feiertage im Land Bremen seien am Karfreitag zwischen 6 und 21 Uhr alle öffentlichen Veranstaltungen verboten, sofern bei ihnen nicht „der an diesem Tag entsprechende ernste Charakter“ gewahrt wird. Die Osterwiese falle grundsätzlich unter dieses Verbot.
Die Schausteller hatten schon mehrfach kritisiert, dass mit Blick auf die Schließung ihres Osterrummels an Karfreitag „mit zweierlei Maß“ gemessen werde. Denn gleichzeitig eröffne die Galopprennbahn der Hansestadt die Rennsaison, kritisierte schon in der Vergangenheit der jetzige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bremer Märkte, Rudi Robrahn. Das Innenressort hatte diese Ausnahme bisher mit dem Argument begründet, bei dem Galopprennen handele es sich um eine nichtkommerzielle Traditionsveranstaltung.
Der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, kritisiert diese Position: „Ärgerlich ist, dass die Rennbahn überhaupt geöffnet ist und dass dort außerdem noch gewettet wird.“ Dies erinnere an die Soldaten, die an Karfreitag unter dem Kreuz Jesu um das Gewand des Sterbenden würfelten, kritisierte der Theologe. „Außerdem haben der Karfreitag und sein Schutz sicher eine längere Tradition als die Galopprennen.“
