Bremerhaven - „Vernebelt“ muss der Blick eines betrunkenen Autofahrers gewesen sein, der in Bremerhaven eine Fahrzeugschlange nicht erkannte, die vor einer roten Ampel wartete. Ungebremst krachte der 35-Jährige mit seinem Pkw in das letzte wartende Auto und schob das wiederum gegen einen dritten Wagen. Dabei erlitt eine 49-jährige Frau leichte Verletzungen.
Den Unfallverursacher nahm die Polizei mit zur Dienststelle und ließ ihm dort wenig später eine Blutprobe entnehmen.
Bremen - Bremen droht ein Verkehrschaos, vermuteten viele. Bislang ist es an vielen Ecken vergleichsweise ruhig geblieben, was auch mit den Herbstferien zu tun haben kann. Dennoch: Ganz glauben will man das nicht, zeigen doch Zahlen der Verkehrsmanagement Zentrale Bremen (VMZ), dass es aktuell knapp 190 Baustellen in der Hansestadt gibt.
Neue Ampelanlagen
Jüngstes Beispiel: die Bürgermeister-Smidt-Brücke. Die mehr als 220 Meter lange Stahlkonstruktion ist noch bis zum 29. Oktober stadtauswärts gesperrt, danach folgen weitere drei Wochen bis zum 17. November, in denen die Strecke stadteinwärts dicht ist.
Auf Höhe Schlachte und an der Straße Am Deich sollen Fußgängerquerungen samt Ampelanlagen entstehen. Bis April 2019 soll ein weiterer Überweg auf Höhe „Am Brill“ gebaut werden, so Jens Tittmann, Sprecher des grünen Bauressorts. Kosten pro Überweg: rund 50 000 Euro, Planungskosten nicht eingerechnet. Auf der Brücke war es Ende Juni zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, zwei Menschen starben. Die Überwege sollen nun ein sicheres Überqueren der Straße möglich machen.
Geh- und Radwege
Wenige Straßenzüge weiter die nächste Großbaustelle. Seit Wochen stemmen Arbeiter Wege am Herdentorsteinweg auf, verbreitern Geh- und Radweg. Künftig gibt es für Autofahrer Richtung Wall nur noch eine Spur, den Rest nehmen Radler und Fußgänger ein. Für den Feinschliff wird die Strecke von Samstag, 13. Oktober, ab 20 Uhr bis Sonntag, 14. Oktober, etwa 18 Uhr voll gesperrt. Montag, 15. Oktober, soll alles fertig sein.
Findorff-Tunnel dicht
Hinzu gesellen sich Arbeiten am Osterdeich, der Findorff-Tunnel ist dicht, auch die Fahrt am Rembertiring entlang der Discomeile stellt die Nerven von Autofahrern auf die Probe. Insbesondere die Vielzahl der Baustellen und vermeintlich mangelnde Kommunikation des Bauressorts sorgte in jüngster Vergangenheit für Ärger. Jens Eckhoff, Vorsitzender der CDU Bremen-Stadt, sprach von „Unfähigkeit“ bei der Planung und davon, dass Bauvorhaben diesen Ausmaßes viele Menschen aus der Innenstadt fernhalten würden. FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner nannte die Planungen „dilettantisch“ und sprach von einem „Anti-Autofahrer-Programm“. „Besucherfrequenz und Umsätze haben sich spürbar zum Negativen verändert“, hieß es unter anderem von Handelskammer-Präses Harald Emigholz. Er fügte an, dass insbesondere die Innenstadt-Einzelhändler „regelmäßig vor vollendete Tatsachen“ gestellt würden.
Und auch die Bremer SPD in Person von Stefan Pastoor von der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD (AGS) warf dem Ressort vor, die Vorhaben nicht ausreichend koordiniert zu haben. In Zeiten vieler Kommunikationsmöglichkeiten müsse eine Abstimmung mit allen Beteiligten möglich sein. „Telefonieren reicht nicht“, so Stefan Pastoor.
Mitglieder der City-Initiative machten ihrem Unmut ebenfalls Luft. Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll gewesen, zunächst die Zukunft des Parkhauses Mitte zu klären, bevor Zufahrten aufwendig saniert würden.
