BREMERHAVEN - Mit dem ersten Spatenstich haben am Freitag die Arbeiten an dem 4,5 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau für das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven begonnen. Bund und Land fördern das Projekt mit je zwei Millionen Euro.

Den Rest der Kosten trägt der private Betreiber. Der Bund fördere das Projekt ausnahmsweise, weil es von nationaler und internationaler Bedeutung sei, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Nachmittag beim Festakt.

Das Museum beschäftige sich auf bundesweit einzigartige Weise mit dem Thema Migration. „Das Haus verdeutlicht, dass die zentralen gesellschaftlichen Zukunftsthemen Migration und Integration zusammengehören“, betonte Neumann. „Das Auswandererhaus ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte“, sagte der langjährige frühere Bremer CDU-Chef. Es sei „ein wahrer Touristenmagnet für Bremerhaven und die ganze Region“.

Mehr als sieben Millionen Menschen verließen einst über Bremerhaven Europa. Der Kulturstaatsminister: „Was aus diesen Auswanderern wurde, ob und wie also die Integration gelungen ist, das wird verstärkt im neuen Ausstellungsteil behandelt.“

Bis jetzt zeigt die Einrichtung in einer multimedialen und interaktiven Ausstellung auf 2500 Quadratmetern schwerpunktmäßig die Geschichte der Auswanderung in die Neue Welt. Die Aspekte der Einwanderung nach Deutschland sind weiterer Schwerpunkt im 1000 Quadratmeter großen Erweiterungsbau, sagte Direktorin Simone Eick.

Mit der Erweiterung erforsche, präsentiere und vermittele Bremerhaven dann gleichzeitig Chancen und Risiken von Ein- und Auswanderung, verdeutlichte Eick. Bundespräsident Christian Wulff hatte noch Ende März bei einem Besuch des mehrfach ausgezeichneten Museums gesagt, das Auswandererhaus könne viel dazu beitragen, die Toleranz im Land gegenüber Einwanderern zu fördern: „Die Ausstellung zeigt, dass Deutschland nicht nur ein Einwanderungsland ist, sondern über viele Jahrhunderte ein Auswanderungsland war.“

Seit der Eröffnung im August 2005 haben mehr als 1,2 Millionen Gäste das Auswandererhaus besucht. Der würfelförmige Neubau wird mit einer Glasbrücke an das bisherige Gebäude am Neuen Hafen unweit der Außenweser in Bremerhaven angebunden. Die erweiterte Ausstellung soll den Angaben zufolge im Frühjahr 2012 eingeweiht werden.

Das Gebäude steht an einem historischen Ort: Hier haben zwischen 1830 und 1974 rund 7,2 Millionen Menschen oft als Wirtschaftsflüchtlinge über Bremerhaven das europäische Festland verlassen. Sie sahen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr und wollten sich hauptsächlich in Amerika eine neue Existenz aufbauen.