BREMERHAVEN - Die Krakauer liegen auf dem Grillrost. Henry aus Holland öffnet seinen Käsestand. Fischgeruch wabert durch die Luft. Die „Lütte Sail“ am Alten und Neuen Hafen in Bremerhaven erwacht. An Bord und an Land wird gefrühstückt – wenig Kaffee, viel Bier. Die ersten Schulklassen entern derweil die „Cuauhtemoc“, das prächtige Schulschiff der mexikanischen Marine. Die Offiziere in den schnieken Uniformen sind freundlich.

An der Kaje wird’s langsam voller. Touristen preschen vorbei. Einige in typischem Outfit – kurze Hosen, Turnschuhe, weiße Socken, Fotoapparat. Der stolze Windjammer „Capitan Miranda“, Schulschiff aus Uruguay, wird zum Hintergrundmotiv für die diverse Schnappschüsse. Von Bord aus flirten Offiziere und Matrosen mit der jungen Frau vom Baguette-Stand am Ufer. Weiter geht’s entlang der Kaje. Die großen Windjammer ziehen die Blicke auf sich und die Leute an Bord – die polnische „Dar Mlodziezy“, die bulgarische Barkentine „Kaliakra“, die „Sørlandet“ aus Norwegen, die „Picton Castle“ und der Clipper „Stad Amsterdam“ zählen zu den begehrtesten Objekten. Auf Deck sind Steuerräder, die offensichtlich allerorten blankpolierten Schiffsglocken sowie die Taue für das Segelhissen die Anlaufpunkte der Besucher.

An Bord der „Cisne Branco“ erklingt Samba-Musik, während die Schausteller per Lautsprecherdurchsage aufgefordert werden, ihre Wagen doch nun schleunigst aus dem Festgelände zu entfernen. Der Kommandant des Schulschiffs der brasilianischen Marine, Flávio Soares Ferreira, ist stolz auf sein Schiff. Und er ist eine Respektsperson. Die Kinder jedenfalls machen einen großen Bogen um ihn. Ferreira zeigt den Speiseraum für Kadetten und Offiziere. Dunkles Holz, sehr edel. Für 59 Mann Besatzung sind an Bord drei Köche zuständig.

Die „Alexander von Humboldt“, das Flaggschiff der „Lütten Sail“, liegt gegenüber dem Deutschen Auswandererhaus. Das „Beck’s“-Schiff hat Nachbarn aus dem Oman. Matrosen und Seemänner mit Turban statt Kapitänsmütze. Ein exotischer Anblick.

Die „Lütte Sail“ dauert noch bis zu diesem Sonntag, 31. August, an. Insgesamt nehmen mehr als 200 Schiffe aus 19 Nationen teil. Es wird über die gesamte Veranstaltungsdauer mit mehreren hunderttausend Besuchern gerechnet