BREMERHAVEN - BREMERHAVEN/J - Da steht sie nun, stolz in die Mitte gerückt, in einer unscheinbaren Halle im Fischereihafen, im Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) in Bremerhaven. Sieben Meter ist sie lang und eine Sensation nicht nur in dem von Arbeitslosigkeit gezeichneten Bremerhaven: Die erste vollautomatische Aloe-Vera-Schälmaschine. Ein Exportschlager für den Weltmarkt.

Aloe Vera Barbadensis Miller – so heißt das Zauberwort in Drogerien und Supermärkten, auf Joghurts und Cremes, Fitnessdrinks und Geschirrspülmitteln. Die Vitamine C, D und E sind in dem gelartigen Innenleben der Wüstenlilie drin, außerdem Beta-Carotin, allerlei Enzyme und mehr als 20 Mineralien. 400 Wirkstoffe haben Experten gezählt. Die Haut sollen sie pflegen, Wunden heilen, die Immunabwehr stärken, den Darm anregen. Bislang ist jedoch nicht erforscht, wo das Gel der Aloe Vera gut tut und wann es dem Organismus schadet. Es gibt „keine Belege“ für die „behaupteten“ Heilwirkungen bei Diabetes oder Krebs, sagt Regina Aschmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Benutzt wird die Heilpflanze schon seit Tausenden von Jahren.

Malte Bethke, Projektleiter beim TTZ, an dem das Land Bremen zu 20 Prozent beteiligt ist, zeigt sich derweil begeistert. Der Weltmarkt für die Aloe-Vera-Schälmaschine sei „riesig groß“, schwärmt er. Den Erfindern bleibt allerdings nur Ruhm und Ehre: Rechte an ihrer Maschine haben sie keine, an deren Vermarktung sind sie nicht beteiligt. „Wir sind Forscher“, so Bethke lapidar. „Wir leben ausschließlich von Forschungsgeldern.“ 80 Prozent des Weltmarktes für Aloe Vera wird derzeit aus Mexiko, der Dominikanischen Republik und China beliefert. Dort kommt man bislang ohne ausgeklügelte Aloe-Vera-Schälmaschinen aus: Die länglichen Blätter werden schlicht wie Obst mit der Hand geschält.

Dank der neuen Maschine soll das kaktusartige Wüstengewächs jetzt auch im kalten Europa heimisch werden. „Mit der Entwicklung verbindet sich die Hoffnung, die Produktion von Aloe Vera in Europa erheblich steigern zu können“, begründet Bethke sein Forscherinteresse. Die Idee zu diesem Projekt kam aus der Industrie: Auftraggeber Santa Verde, ein Handelshaus aus Hamburg, betreibt Plantagen in Spanien.