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NWZonline.de Region Bremen

Der traurige Bremer Rekord

01.06.2016

Bremen Immer mehr Kinder in Deutschland müssen von Hartz IV leben. Nach jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im vergangenen Jahr im Schnitt 1,54 Millionen unter 15-Jährige betroffen - gut 30.000 mehr als ein Jahr zuvor. In Bremen und Berlin liegt die Quote mit 31,5 Prozent am höchsten - fast jedes dritte Kind ist betroffen. Niedersachsen schneidet mit einer Quote von 14,1 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 14,4 Prozent ab. Nur Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz liegen deutlicher darunter. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind in Bremen mehr als 27.000 Kinder betroffen. Der DGB fordert einen Tag vor dem internationalen Kindertag (1. Juni) ein Aktionsprogramm von Bund und Ländern gegen Kinderarmut.

Warum trifft es immer wieder Bremen?

Grund sei die Sozialstruktur in der Stadt, sagte der Sprecher des Sozialressorts, Bernd Schneider. „Wir haben die höchste Quote bei den Sozialhilfeempfängern, die höchste Quote bei den Alleinerziehenden nach Berlin und eine hohe Arbeitslosenquote.“ Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen ziehe es in die Städte. Kurze Wege und eine soziale Infrastruktur mit Vergünstigungen und Angeboten ermöglichten eine höhere Lebensqualität trotz geringeren Einkommens: „Die Betroffenen können weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben, ins Theater oder Museum gehen.“ Alle großen Städte verzeichneten einen hohen Anteil an Hartz IV-Empfängern. „Im reinen Städtevergleich ist Bremen nicht das Schlusslicht“, sagte Schneider.

Was hat Bremen konkret an Programmen für arme Kinder?

Mit einem höheren Personalschlüssel an Schulen und Kitas in Stadtteilen mit ärmerer Bevölkerung versuche Bremen gegenzusteuern, sagte Schneider. Sozialindikatoren spielten auch eine wichtige Rolle bei der Vergabe der Finanzmittel in der offenen Jugendarbeit. Außerdem werde das Bildungs- und Teilhabe-Paket in Bremen besonders stark ausgeschöpft. Seit März 2015 gibt es den Bremen-Pass für Hartz-IV- und andere Sozialleistungsempfänger. Mit dem Geld wird beispielsweise die Teilnahme am Vereinsleben und Musikunterricht, aber auch an Schul- und Klassenfahrten gefördert. Auch das kostenlose Mittagessen in Schule und Kindergarten für Kinder aus armen Familien gehört dazu.

Mittagessen und Frühstück in der Schule - was bringt das?

Die Nachfrage nach diesen Angeboten steige, berichten Schulleiter - und das nicht nur im Falle von Hartz-IV-Familien. In einer Stadtteil-Grundschule nehmen über die Hälfte der 180 Schulkinder das Angebot war. Ein Drittel der Kinder habe den Bremen-Pass für das kostenlose Mittagessen, sagte die stellvertretende Leiterin der Schule Mahndorf, Stefanie Mleczek. Seit kurzem gebe es auch ein kostenloses Frühstücksangebot. 25 bis 30 Kinder seien jeden Morgen dabei: „Wir merken, dass sich das positiv im Unterricht auswirkt. Die Kinder sind konzentrierter und ruhiger, wenn sie gefrühstückt haben.“

Organisiert wird das Frühstück vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). An fünf Bremer Schulen gibt es inzwischen dieses kostenlose Angebot. Das Jobcenter habe dafür sechs Ein-Euro-Jobs bewilligt, sagte ASB-Bereichsleiter Jobst von Schwarzkopf. Unterstützt wird die Aktion von der Bremer Tafel mit Obst und Gemüse sowie einigen Lebensmittelläden: „Kommen können alle, wir wollen keine Stigmatisierung.“ In der ersten großen Pause gibt es für alle eine kleine Vitaminbox mit Früchten der Saison. Rund 160 allgemeinbildende Schulen gibt es in Bremen und Bremerhaven.

Wie sieht Kinderarmut in Bremen aus - fällt sie auf?

Es gibt in Bremen Brennpunkte, wo der Anteil der Hartz-IV-Familien besonders hoch ist. In den Grundschulen sind Unterschiede nicht so deutlich. „Handys sind eh noch verboten und die Kinder kommen alle gepflegt zur Schule“, meinte Mleczek. „Manchmal kann man es am Schulranzen erkennen oder wenn ein Kind das ganze Jahr die gleichen Schuhe trägt“, sagte von Schwarzkopf. In den weiterführenden Schulen sehe es oft anders aus: „Je älter die Kinder werden, desto öfter gibt es Auffälligkeiten.“ Gerade in den Brennpunkten fehlten Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, die sich einem auffälligen Kind widmen könnten: „Wir haben die gesellschaftliche Aufgabe, das Kinder einen guten Weg gehen.“

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