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NWZonline.de Region Bremen

Ein ganz eigener Käfig voller Narren

28.12.2007

BREMEN An Waltraud Meineckes Büro kommt niemand vorbei: Gleich hinter dem Bühneneingang des Musicaltheaters, am Anfang eines langen, kalt beleuchteten Flurs, residiert die Produzentin von „Ein Käfig voller Narren“. Und das fast jeden Abend, wenn das Stück über die Bühne geht. Die Inszenierung ist zwar längst fertig, alle Rollen sind einstudiert, das Bühnenpersonal kennt jeden Handgriff. Aber ein Großprojekt wie das Musical aus dem Travestie-Millieu erfordert jeden Abend neue Entscheidungen. 126 Menschen arbeiten hinter der Bühne daran, dass das Stück gelingt.

„Das ist mein ganz eigener Käfig voller Narren“, sagt Waltraud Meinecke. Die Chefin des Bühnenbetriebes hat inzwischen direkt neben dem großen Vorhang Platz genommen. Pat Andette ist Inspizientin und hat die Stimme, die immer wieder über die langen Flure des Theaters dringt. „Ich bitte die Damen und Herren des Orchesters auf ihre Plätze“, ordnet sie freundlich, aber bestimmt an. Auch die Schauspieler ruft sie kurz vor ihrem Auftritt zum Bühnenbereich, wo hektisches Treiben herrscht. Während es sich das Publikum in den 1400 roten Sesseln gemütlich macht, erstrahlt das Theaterleben hinter dem Vorhang in unerwarteter Tristesse. Theater, das lernt man bei einem Blick hinter die Kulissen sofort, ist für den Moment gemacht – und nur für die eine Sicht: für die des Publikums.

Die Farbtupfer in Waltraud Meineckes Narrenkäfig sind die Darsteller: Knapp 20 Tänzerinnen und Tänzer, in opulenten Frauenkostümen und grell geschminkt, neun Solo-Schauspieler, darunter die Stars des Abends, Hans Neblung, Hildegard Krekel und Bernd Herzsprung. Eine Etage unter ihnen drängeln sich 27 Musiker im Orchestergraben.

Dirigent Alexander Mottok wirft derweil die letzten Blicke auf die Partitur. „Eigentlich sind die Abende für uns schon Routine“, sagt er. Doch es könne stets anders kommen. Etwa, als ein Sänger während der Aufführung auf der Seitenbühne krank zusammenbrach. Der Sänger wurde ausgetauscht – im Publikum hatte die Katastrophe vermutlich gar keiner bemerkt.

Als die Musik der Ouvertüre beginnt, sind alle auf ihren Plätzen. Die Tänzer auf der Bühne, neun Dresserinnen an den Seiten, die Inspizientin direkt neben dem Bühnentechniker. Waltraud Meinecke ist in ihrem Büro geblieben und überlässt die künstlerische Oberhand ihrer Regieassistentin Marie-Helene Anschütz.

Wer abseits der sichtbaren Bühne konzentrierte Ruhe erwartet, wird sich wundern. Es wird geplaudert und gelacht. Dass dennoch jeder weiß, was er zu tun hat, zeigt sich bei den Kostümwechseln: Wenn ein gesamtes, aufwendig ausstaffiertes Ballett in wenigen Minuten seinen gesamten Habitus wechselt. Wenn die Dresserinnen die neuen Kostüme so bereit halten, dass die Schauspieler im Vorbeigehen in sie hineinschlüpfen können.

Waltraud Meinecke hat seit Minuten eine Orchestermusikerin ausrufen lassen. Als sie endlich ankommt, gibt es keinen Ärger, sondern eine herzliche Umarmung und ein Beutelchen Pralinen zum Geburtstag. Eine Produzentin wird eben jeden Abend gebraucht.

Das Musical „Ein Käfig voller Narren“ läuft noch bis Silvester, 31. Dezember, im Musicaltheater am Richtweg.

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