Bremen - „Kinder im Exil“ heißt das Projekt der gemeinnützigen Gesellschaft „Pflegekinder in Bremen“ (PiB), das im Auftrag des Jugendamtes unbegleiteten minderjährigen Ausländern (Uma) ein Zuhause auf Zeit geben soll, und zwar bei Pflegefamilien oder Pflegepersonen.
„Wir suchen fortlaufend Familien oder Einzelpersonen, die sich eine solche Aufgabe auf Zeit vorstellen können. In diesem Jahr wollen wir für mindestens 60 junge Menschen nach der Flucht eine Pflegefamilie finden“, sagte jetzt PiB-Chefin Monika Krumbholz. Sie stellte mit Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) und Pflegefamilien das Projekt „Kinder im Exil – Nach der Flucht – Jugendliche suchen einen sicheren Ort“ vor. „Gestartet sind wir 2011, da konnten wir die ersten fünf jugendlichen Flüchtlinge im Rahmen der Vollzeitpflege in Pflegefamilien unterbringen. 2015 waren es rund 40 Kinder, die wir in ein familiäres Zuhause in Bremen vermitteln konnten“, so Krumbholz.
Einer von ihnen ist der 18-jährige Cheikh aus dem Senegal, er lebt seit Januar bei der Pflegefamilie Daum. Corinne Daum hat schon mehrere junge Flüchtlinge beim Ankommen in Deutschland unterstützt und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. „Es ist immer wieder schön mitzuerleben, wie die Jugendlichen, die wirklich schlimme Dinge auf ihrer Flucht erlebt haben, in unserer Familie aufleben und ihr Vertrauen wieder gewinnen.
Daum ist als Mentorin beim Verein „Fluchtraum“ aktiv und hat Cheikh in der Notunterkunft für Uma in der Sporthalle in Borgfeld kennengelernt. PiB begleitete die Vermittlung von Cheikh in ein Vollzeitpflegeverhältnis. Die Familie Daum nimmt seit 2007 Pflegekinder auf.
Laut Stahmann hat Bremen im vergangenen Jahr rund 2 600 unbegleitete minderjährige Ausländer aufgenommen – zehnmal so viele wie 2013. Seit November gehen die Zahlen runter, da die Verteilung nun nach dem gleichen Schlüssel wie bei den Erwachsenen geregelt wird.
Auch die Pflegeeltern May und Holger Reimann haben ihr Pflegekind über PiB kennengelernt. Seit Januar betreuen sie den 14-jährigen Eyad aus Syrien. Eyad ist im Oktober 2015 nach Bremen gekommen und hat vorher in der Jugendhilfeeinrichtung Hermann-Hildebrandt-Haus gelebt. Die Reimanns betreuen laut PiB als geschulte Pflegeeltern seit 2007 Pflegekinder im Auftrag des Jugendamtes. Eyad besucht seit Februar die Oberschule, geht regelmäßig zum Fußballtraining und spricht schon gut Deutsch. „Es hat sich bei uns schnell wohlgefühlt. Da wir gleich Deutsch mit ihm gesprochen haben, hat er viel gelernt.
PiB informiert, qualifiziert und begleitet Familien, Paare oder Einzelpersonen, die junge Ausländer betreuen wollen. Gesucht werden „weltoffene Familien“, die Erfahrung mit anderen Kulturen haben und sich im Umgang mit jungen Menschen auskennen. Ein freies Zimmer allein reiche zur Aufnahme nicht aus, betonte Krumbholz. Weitere Infos zu „Kinder im Exil“ bei Konstanze Jäger,
