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NWZonline.de Region Bremen

Einblicke in die Kinderstube der Haie

06.09.2016

Bremen Die Perspektiven sind ungewöhnlich, die Motive sind es zumeist auch: Wenn Tom Vierus auf den Auslöser seiner Kamera drückt, hat er häufig Haie vor der Linse. Große Riffhaie, aber auch niedlich anmutenden Hai-Nachwuchs. Für seine Bilderserie zu seiner Forschung über junge Haie erhält der Masterstudent des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen jetzt den Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie.

Für seine Haiforschung hat es den Meeresbiologen nach Fidschi in den Südpazifik verschlagen. Sieben Monate lang lebte der 27-Jährige auf der Hauptinsel Viti Levu. Berührungsängste hat Tom Vierus nicht – weder mit Haien, noch mit fremden Kulturen. In der Welt ist er bereits weit herumgekommen: In Südafrika machte er sein Abitur, auf Bali und in Ägypten lernte er das Tauchen. Für seinen Master am ZMT schließlich unternahm er die rund 40-stündige Reise nach Fidschi. Für seine Forschungen fragte er beim Dorfvorsteher um Erlaubnis. Der sagte ihm nicht nur seine Unterstützung zu, sondern bot ihm auch ein Zimmer in seinem Haus an. Zusammen mit Fischern aus dem Ort fuhr Vierus nächtelang im kleinen Boot hinaus in das mangrovenumsäumte Delta des Ba-Flusses. „Wir vermuten, dass das Mündungsgebiet eine wichtige Kinderstube für Haie ist, die im jungen Alter dort Schutz vor großen Raubfischen suchen“, so der Masterstudent.

Viele Hai-Arten, darunter der Hammerhai, kehrten – ähnlich wie Schildkröten – immer wieder in dieselben Küstengewässer zurück, um dort ihre Jungtiere zur Welt zu bringen. Weil es in Fidschi noch nicht viele Daten zu Hai-Beständen gibt, fingen sie Jungtiere, um sie zu vermessen, Gewebeproben für DNA-Analysen zu nehmen und mit Sendern auszustatten. Sie ermöglichen es dem Wissenschaftler, Tiere zu identifizieren und herauszufinden, ob sich diese länger in einem Gebiet aufhalten oder auf der Durchreise sind.Vierus hat auch Aufklärungsarbeit leisten müssen: „Für die Fischer sind Haie erst einmal lästige Tiere, die auf dem Markt – mit beispielsweise fünf Dollar für vier kleine tote Hammerhaie – wenig Geld bringen und eventuell Netze zerstören.“ Welch wichtige Aufgaben die Haie im Meer übernehmen – etwa, indem sie kranke und schwache Tiere fressen – sei ihnen nicht klar gewesen.

Angst habe er bei seiner Arbeit mit Haien nicht, sagt Vierus. Bei weitem seien sie nicht, wie oft dargestellt, kopflose Killermaschinen. „Viele der großen Haie sind tatsächlich sehr intelligent und würden niemals ohne Grund und ohne Provokation einen Menschen angreifen“, ist der 27-Jährige überzeugt. Hundertprozentig wissenschaftlich nachweisen, dass es sich bei diesem Gebiet um eine Kinderstube für Haie handelt, konnte Vierus noch nicht: „Dafür war ich zu kurze Zeit dort.“ Forscher und Fischer beobachten die Haie nun weiter.

Die Preisträger werden am 19. November im Bremer Haus der Wissenschaft ausgezeichnet. Die 5000 Euro Preisgeld hat Vierus bereits verplant: Er investiert sie in eine neue Kameraausrüstung.

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